Verbundausbildung - Gute Praxis Emscher-Lippe-Region

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Foto: Zwei Mitarbeitet des Unternehmens Weidner Wassertechnik

"Im Verbund können kleinere Betriebe anspruchsvoll ausbilden. Das nutzen wir aktiv"

Durchweg positive Erfahrungen - Verbundausbildung bei Weidner Wassertechnik in Kooperation mit der Rütgers Gruppe

Im Unternehmen Weidner Wassertechnik aus Herten ist die Verbundausbildung ein zentrales Instrument, um eigene Nachwuchskräfte zu sichern. In Kooperation mit dem Chemiekonzern Rütgers Gruppe wird aktuell eine junge Frau zur Chemielaborantin ausgebildet. Über die ESF-geförderte Verbundausbildung kann der Kleinbetrieb in anspruchsvollen technischen Berufen regelmäßig ausbilden.

Im Verbund ausbilden: Kleinunternehmen kooperiert mit Großindustrie

Das Unternehmen Weidner Wassertechnik GmbH aus Herten ist mit insgesamt 38 Beschäftigten ein auf moderne Wassertechnologie spezialisierter Dienstleister. Die Kunden kommen vor allem aus Industrie und Gebäudetechnik, das Leistungsspektrum umfasst die gesamte Wasseraufbereitung von der Enthärtung über die Entsalzung bis hin zur Membranfiltration und hochspezialisierten Beratungsservices.
Ein zentraler Bereich ist das Labor zur Wasseranalytik, wo jetzt erstmals eine junge Frau zur Chemielaborantin ausgebildet wird. Das Unternehmen nutzt die Verbundausbildung aktiv und bildet damit aus - inzwischen zum sechsten Mal und mit durchweg guten Erfahrungen.

Verbundpartner ist die Rütgers Germany GmbH am Standort Castrop-Rauxel. Der Chemiekonzern gehört inzwischen zum indischen Spezialchemieunternehmen Rain Carbon Inc. und betreibt in Castrop-Rauxel eine große Teerdestillationsanlage. Die Rütgers Gruppe mit insgesamt 1.100 Beschäftigten ist ein führender Hersteller von Chemierohstoffen aus Steinkohlenteer. Produziert werden Grundstoffe für die Aluminium- und Stahlindustrie sowie technische Öle und weitere Basis-Chemikalien, die zu Industriegütern wie Feuerfestmaterialien, Klebstoffen und Gummiprodukten oder beim Betonbau weiterverarbeitet werden.
Das Unternehmen verfügt über eine Lehrwerkstatt mit modernen Laboreinrichtungen und ist damit ein idealer Kooperationspartner: Auszubildende lernen nicht nur das breite technische Spektrum kennen, sondern auch zwei verschiedene Unternehmenswelten - die Arbeit im spezialisierten Kleinunternehmen ebenso wie die Abläufe in einem großindustriellen Produktionsbetrieb.

Begeistert vom Verbund - Ausbildungsmodell sichert Fachkräftenachwuchs im Unternehmen

Andreas Weidner, Geschäftsführer der Weidner Wassertechnik, ist von der Verbundausbildung begeistert und nutzt das Instrument, um den Fachkräftenachwuchs für seinen Betrieb zu sichern. Im Verbund bildet er jetzt zum sechsten Mal aus und zum zweiten Mal in Kooperation mit der Rütgers Gruppe.
„Mit der Verbundausbildung können wir auch als kleineres Unternehmen in anspruchsvollen technischen Berufen qualifiziert ausbilden und damit unseren Personalbedarf decken. Ich finde das großartig“, so der Geschäftsführer und Ingenieur für Verfahrenstechnik. „Seitdem wir zum ersten Mal zwei junge Männer zu Anwendungsprogrammierern ausgebildet haben, zieht sich die Verbundausbildung wie ein roter Faden durch unser Unternehmen. Wir haben durchweg positive Erfahrungen gemacht.“
Die Rütgers Gruppe als Kooperationspartner fand Andreas Weidner über die IHK. In der Ausbildung ergänzen sich nach seiner Einschätzung die beiden Betriebe optimal. „Im Labor sind wir nicht so breit aufgestellt und können z.B. keine organischen Analysen machen wie in der Lehrwerkstatt von Rütgers. Dort lernen die Auszubildenden auch Produktionsprozesse in großindustriellen Anlagen kennen. Bei uns erleben sie dagegen die reale Arbeitswelt sehr direkt und arbeiten von Anfang an beim Kunden mit.“ Für die Ausbildung, so Andreas Weidner, sei das eine ganz „glückliche Kombination“ und das Feedback der Auszubildenden bestätige das.

Zufrieden mit dem Wechsel - Ausbildung zur Chemielaborantin statt Studium

Auch Lena Korzer, die 21-jährige Auszubildende, sieht die Vorteile einer Verbundausbildung und findet es gut, zwei Ausbildungsorte zu haben und so das breite Spektrum des Berufs kennenzulernen. Die dreieinhalbjährige Ausbildung zur Chemielaborantin begann sie, nachdem sie ihr Chemiestudium abgebrochen hatte. Mit der Entscheidung und dem Ausbildungsplatz ist sie nach wie vor „rundum zufrieden“
„Die Ausbildung im Labor ist für mich genau das Richtige und macht mir deutlich mehr Spaß als das Studium.“ Die Firma Weidner kannte Lena Korzer noch von ihrem Schulpraktikum und ihre Anfrage für einen Ausbildungsplatz wurde schnell und positiv entschieden. Beim Kooperationspartner hat sie den ersten Lernblock von insgesamt sechs Monaten bereits absolviert.
„Schon in der Schule waren Naturwissenschaften meine Stärke, aber für das Studium fehlte mir doch einiges Vorwissen“, so die junge Frau rückblickend. Sie will jetzt erstmal die Ausbildung zur Chemielaborantin abschließen, überlegt aber schon, eine ergänzende Weiterbildung zur staatlich geprüften Technikerin der Fachrichtung Chemie draufzusatteln.
Ihre bisherige Erfahrung: „Im Labor bin ich zwar die einzige Frau, doch damit komme ich gut zurecht. Der Betrieb ist familiär und hier habe ich gute Perspektiven weiterzuarbeiten, das gefällt mir.“

Die Ausbildung im Verbund bezuschusst das Land NRW einmalig mit 4.500 Euro aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds.

Ausbildung Chemielaborant/in und Techniker/in

Chemielaboranten und -laborantinnen bereiten chemische Untersuchungen und Versuchsreihen vor bzw. führen diese durch. Sie analysieren Stoffe, trennen Stoffgemische und stellen chemische Substanzen her. Darüber hinaus dokumentieren sie ihre Arbeit und werten die protokollierten Ergebnisse aus. Chemielaborant/in ist ein 3,5-jähriger anerkannter Ausbildungsberuf in der Industrie.

Staatlich geprüfte/r Techniker/in der Fachrichtung Chemietechnik ist eine landesrechtlich geregelte berufliche Weiterbildung an Fachschulen, die in Vollzeit 2 Jahre, in Teilzeit 3-4 Jahre dauert.

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