Ausbildung im Verbund - Gute Praxis im Oberbergischen Kreis

Bild des Benutzers Arbeit.Meding
Gespeichert von Arbeit.Meding am 24. Mai 2016
Foto: Zwei Mitarbeiter der Kramer Edelstahlverarbeitung GmbH

"Für uns als kleines Unternehmen ist der Verbund die ideale Ausbildungsform"

Für Klein- und Mittelbetriebe ist die Verbundausbildung eine gute Option, um eigene Nachwuchs-Fachkräfte zu sichern. Die Kramer Edelstahlverarbeitung GmbH in Lindlar bildet so erfolgreich aus

Das Unternehmen Kramer Edelstahlverarbeitung bildet einen jungen Mann zum Zerspanungsmechaniker aus – im Verbund mit dem Steinmüller Bildungszentrum und nun zum dritten Mal. Im Oberbergischen Kreis ist die Ausbildungsform für Klein- und Mittelbetriebe attraktiv, um Nachwuchs-Fachkräfte zu sichern. Das Land bezuschusst die Verbundausbildung aus Mitteln des ESF.

Zwei Partner – ein Verbund – für alle ein Gewinn

Das Oberbergische Unternehmen Kramer Edelstahlverarbeitung GmbH ist mit seinen insgesamt 22 Beschäftigten auf die Verarbeitung von Edelstahl und anderen hochwertigen Produkten spezialisiert. Als zertifizierter Zulieferer für die Luft- und Raumfahrtindustrie sowie des Chemie-, Maschinen- und Anlagenbaus werden hier in Präzisionsarbeit Einzelprodukte bis hin zu einbaufähigen Komponenten bearbeitet und ausgeliefert. Die Möglichkeit im Verbund auszubilden, war für das Unternehmen der entscheidende Anstoß, um konsequent - und inzwischen zum dritten Mal in Folge - eigenen Fachkräftenachwuchs auszubilden.
Verbundpartner ist das Steinmüller Bildungszentrum gGmbH in Gummersbach. Mit der modernen Lehrwerkstatt für Metall- und Elektroberufe kann das Zentrum eine umfassende überbetriebliche Grundausbildung und Prüfungsvorbereitung anbieten. In Sachen Verbundausbildung kooperiert das Bildungszentrum, an dem auch der Oberbergische Kreis und die Stadt Gummersbach Gesellschafteranteile halten, mit knapp 50 Unternehmen aus der Region.
Für alle Beteiligten ist das eine win-win-Situation – nicht nur Unternehmen und Auszubildende profitieren, sondern auch die Region, um dem Fachkräftemangel wirksam zu begegnen. Die Ausbildung im Verbund bezuschusst das Land NRW einmalig mit 4.500 Euro aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds.

Der Produktionsbetrieb Kramer Edelstahlverarbeitung am Standort Lindlar ist eigentlich zu klein, zu spezialisiert und auch von den Personalkapazitäten her nicht darauf ausgelegt, eine umfassende Ausbildung anbieten zu können. Daher war zunächst die Skepsis groß, als vor einigen Jahren die erste Verbundausbildung startete.
„Bis dahin hatten wir noch nie ausgebildet“, schildern Geschäftsführer Siegbert Syring und Büroleiterin Tanja Fiedler die anfänglichen Bedenken. Doch über das Verbundmodell ist das Unternehmen zu einem aktiven Ausbildungsbetrieb geworden.
„Wir waren angenehm überrascht, wie unkompliziert die Zusammenarbeit ablief und die Ausbildung fast ein Selbstläufer wurde“, sagt Geschäftsführer Syring rückblickend. „Für uns als kleines Unternehmen ist die Verbundausbildung die ideale Ausbildungsform. Dadurch haben wir im Produktionsbereich die Möglichkeit, einen eigenen Stamm von qualifizierten Fachkräften aufzubauen.“
Inzwischen bildet das Unternehmen zum dritten Mal aus und im Herbst wird sogar der vierte Auszubildende starten. Dazu die Geschäftsleitung: „Wichtig ist uns, dass die jungen Leute ins Team passen und langfristig bleiben.“

Solide Perspektive – Ausbildung im Verbund als Zerspanungsmechaniker

Für Marco Eichert, 19 Jahre alt und Auszubildender im zweiten Lehrjahr als Zerspanungsmechaniker, ist das eine durch und durch solide Perspektive. Der junge Mann hat gerade seine Zwischenprüfung erfolgreich bestanden und arbeitet gerne in dem Betrieb, den er nach einem Jahr an der Berufsfachschule für Technik über die örtliche IHK fand.
Die Ausbildung im Verbund mit zwei Lernorten neben der Berufsschule findet er „vielfältig und spannend“: Seine Lehre dauert dreieinhalb Jahre, darunter insgesamt sechs Monate beim Partnerbetrieb. Von Anfang an war er in seinem Hauptausbildungsbetrieb direkt in die Produktion eingebunden und wurde mit dem Arbeiten an CNC-Maschinen vertraut gemacht. Eine dreimonatige Grundausbildung absolvierte er aber zunächst im Steinmüller Bildungszentrum und lernte dort Grundfertigkeiten wie Drehen, Fräsen und Schleifen an konventionellen Maschinen. Die Prüfungsvorbereitung mit einem hohen Anteil an theoretischem Wissen erfolgte ebenfalls beim Verbundpartner.  
„Ich wollte schon immer in einem technischen Beruf arbeiten“, sagt Marco Eichert und ergänzt: „Für mich ist das hier genau das Richtige – noch dazu mit einem definitiv guten Arbeitsklima.“

Die Ausbildung im Verbund bietet Vorteile, entlastet den Betrieb und verhindert „Betriebsblindheit“, findet Ausbilder Maik Neumann. Der Vorarbeiter in der Dreherei der Kramer Edelstahlverarbeitung begleitet den praktischen Teil der Ausbildung. Die Aufgabenteilung und der Austausch mit dem Partnerbetrieb, so seine Erfahrung, funktionieren gut und reibungslos. „In der überbetrieblichen Ausbildung werden die Grundlagen vermittelt, dafür haben wir hier weder die Möglichkeiten noch die Zeit. Von der Pike auf können wir aber das Arbeiten an den hochkomplexen CNC-Maschinen vermitteln. Die jungen Leute sind dann besonders stolz, wenn sie nicht nur ein Übungsstück angefertigt haben, sondern ein ganz reales Produkt für Kunden.“

Verbundpartner mit Kompetenz und Erfahrung

Das Steinmüller Bildungszentrum ist für die Verbundausbildung in den Metall- und Elektroberufen ein kompetenter Partner. Zur Verfügung stehen dort moderne Technik und Ausbildungsmittel sowie ein Ausbilderteam mit langjähriger Erfahrung in der Aus- und Weiterbildung. Betriebe werden zudem bei der Planung und Durchführung einer Ausbildung unterstützt. Zurzeit sind dort 88 Auszubildende aus insgesamt 48 Betrieben, die alle im Verbund ausgebildet werden.
Im Oberbergischen Kreis werde die Ausbildungsform von den kleinen und mittleren Unternehmen häufig und intensiv genutzt, um den Fachkräftenachwuchs zu sichern, beschreibt Geschäftsführerin Ortrun Zipperlin die aktuelle Situation.
Die Firma Kramer sei ein „gerngesehener Partner“ und man arbeite „Hand in Hand“.
„Die jungen Leute kommen nach der Grundausbildung im Bildungszentrum gut qualifiziert in den Betrieb zurück und werden bei uns auch auf die Abschlussprüfungen bestens vorbereitet“, so Ortrun Zipperlin. Ihre Erfahrung: „Die Unternehmen wissen die enge Kooperation und Entlastung durch den Verbund zu schätzen.“

Links

Ausbildung Zerspanungsmechniker/in

Zerspanungsmechaniker/innen fertigen Präzisionsbauteile meist aus Metall durch spanende Verfahren wie Drehen, Fräsen, Bohren oder Schleifen. Dabei arbeiten sie in der Regel mit CNC -Werkzeugmaschinen. Diese richten sie ein und überwachen den Fertigungsprozess. Zerspanungsmechaniker/in ist ein 3,5-jähriger anerkannter Ausbildungsberuf in der Industrie. Die Ausbildung findet auch im Handwerk statt.

Relevante

Pressemitteilungen

Weiteres

zum Thema