Netzwerke zur Teilzeitberufsausbildung

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Regionale Netzwerke unterstützen und werben für die Teilzeitberufsausbildung

Teilzeitberufsausbildung statt Fachkräftemangel: Engagierte Netzwerke - Interessierte Unternehmen

In NRW engagieren sich regionale Netzwerke für die Teilzeitberufsausbildung. Mit einem breiten Spektrum an Aktivitäten werben sie für die familienfreundliche Ausbildungsform. An den Bündnissen und Initiativen beteiligen sich Vertretungen aus Kammern und Gewerkschaften, Jobcentern und Agenturen für Arbeit, Regionalagenturen und Gleichstellungsstellen. Mit dabei sind auch Berufsschulen und Bildungsträger, die Maßnahmen der Förderlinie TEP umsetzen.

Teilzeitberufsausbildung statt Fachkräftemangel: Engagierte Netzwerke - Interessierte Unternehmen

Vielen Unternehmen ist die Teilzeitberufsausbildung als Chance zur Fachkräftesicherung noch unbekannt. Damit sich das ändert und mehr Unternehmen als bisher das Potenzial junger Menschen mit Familienverantwortung nutzen, um so ihren zukünftigen Fachkräftebedarf zu decken, engagieren sich in Nordrhein-Westfalen 17 regionale Netzwerke mit einem breiten Spektrum an Aktivitäten für den vermehrten Einsatz dieser  Ausbildungsform. An den regionalen Bündnissen und Initiativen beteiligen sich Vertretungen aus Kammern und Gewerkschaften, Jobcentern und Agenturen für Arbeit, Regionalagenturen, Gleichstellungsstellen, Berufsschulen und Bildungsträger, die TEP-Maßnahmen umsetzen.

Viele Unternehmen gehen leer aus beim Start ins neue Ausbildungsjahr, finden keine geeigneten Bewerberinnen und Bewerber - und gefährden so ihre Zukunft. In diesen Fällen kann eine Teilzeitberufsausbildung die Lösung sein. Mit ihr erschließen sich Unternehmen das Potential junger Mütter und Väter bei der Besetzung ihrer freien Ausbildungsplätze - und sind damit zufrieden. Das dokumentieren zahlreiche Berichte von Unternehmerinnen und Unternehmern, Personalleiterinnen und Personalleitern kleiner und mittlerer Betriebe, wie sie auf den Veranstaltungen der regionalen Netzwerke für Teilzeitberufsausbildung immer häufiger zu hören sind.

Informative Fachveranstaltungen

In der Region Aachen zum Beispiel folgten mehr als 90 Personen, darunter viele Vertreterinnen und Vertreter kleiner und mittlerer Unternehmen, der Einladung des regionalen Netzwerks für Teilzeitberufsausbildung zu einer Fachtagung, die gemeinsam von der low-tec gemeinnützige Arbeitsmarktförderungsgesellschaft Düren mbH sowie der Bundesarbeitsgemeinschaft Evangelische Jugendsozialarbeit BAG EJSA e.V. organisiert worden war. Im Juli 2015 wurde ein Themenheft der BAG EJSA veröffentlicht, das Beiträge dieser Fachtagung und Best Practice Beispiele unter anderem die Erfahrungen einer Bäckereikette in der Region Aachen sowie einer Firma für Orthopädieschuhtechnik aus Aachen vorstellt.

Allein das Krankenhaus Düren offeriert gleich 45 Teilzeit-Ausbildungsplätze im Beruf „Gesundheits- und Krankenpflege“. Das familienfreundliche Angebot erleichtert dem Arbeitgeber nachweislich die Nachwuchsrekrutierung. Heinz Lönneßen, Leiter der Schule für Gesundheits- und Krankenpflege: „Mit der Möglichkeit zur Teilzeitberufsausbildung haben wir uns den bislang kaum beachteten Kreis junger Menschen mit Familienverantwortung und damit eine sehr engagierte und motivierte Personengruppe erschlossen. Aufgrund des auch für sie attraktiven Angebots rennen sie uns die Türen ein, so dass wir die am besten geeigneten Personen auswählen können - eine früher kaum vorstellbare komfortable Lage für unser Unternehmen.“

Seit 2013 bietet zudem das „Evangelische Fachseminar für Altenpflege“ in Trägerschaft der low-tec gGmbH eine Ausbildung zur examinierten Altenpflegerin bzw. zum examinierten Altenpfleger in Teilzeit an. „Von den Arbeitgebern der Pflegebranche“, weiß low-tec-Projektleiterin und Mitinitiatorin der Fachtagung Marion Klein-Bojanowski, „wird das neue Angebot stark nachgefragt und auch bei den jungen Menschen mit Familienverantwortung stößt es auf großes Interesse.“

Eine wichtige Funktion im regionalen Netzwerk der Region Aachen übernimmt die IHK: Sie legt jedem von ihr unterschriebenen und an die Betriebe zurückgesandten Ausbildungsvertrag einen Flyer zum Thema Teilzeitberufsausbildung bei, um so in den Unternehmen für den verstärkten Einsatz dieser Ausbildungsform zu werben.

Jobbörsen für Ausbildungsstellen in Teilzeit

Auf die vom Fachkräftemangel besonders bedrohte Pflegebranche konzentrierte sich eine Informationsveranstaltung des Netzwerks für Teilzeitausbildung im bergischen Städtedreieck, das wie das Bündnis in Emscher-Lippe schon mehrere Jahre aktiv ist.

Nach Auskunft von Nicole Malavasi, Kompetenzzentrum Frau und Beruf Bergisches Städtedreieck,  ebenfalls Netzwerkpartnerin, war der Workshop „Altenpflegeausbildung in Teilzeit – geht das? Ja!“ ein erstes Angebot für Akteurinnen und Akteure im Pflegebereich im bergischen Städtedreieck. Ziel war es, die Möglichkeiten der Teilzeitausbildung im Pflegebereich theoretisch und praktisch darzustellen. Unterstützt wurde das Netzwerk Teilzeitausbildung durch Gabriele Jendrzey und Marion Klein-Bojanowski, die umfassend und kompetent über die Durchführungen von Teilzeitausbildungen mit Vorschaltmaßnahmen berichteten. Das bergische Netzwerk Teilzeitausbildung plant weitere Angebote für unterschiedliche Branchen.

Mit gutem Beispiel voran geht die Kreishandwerkerschaft Solingen im bergischen Städtedreieck: Sie bildet selbst eine junge Mutter zur Kauffrau für Büromanagement in Teilzeit aus, Auch die Politik zeigt sich engagiert, Alle drei Oberbürgermeister der bergischen Städte Remscheid, Solingen und Wuppertal haben in den vergangenen Jahren Patenschaften für Teilzeitauszubildende übernommen.

Handout für Unternehmen - Übersicht zu Veröffentlichungen

Gleich mit einem „Handout“ für Unternehmen machte in der Region Mittlerer Niederrhein das 2014 gegründete und von der Regionalagentur koordinierte „Regionale Netzwerk Teilzeitberufsausbildung“ auf sich aufmerksam. Inhaberinnen und Inhaber von Betrieben sowie Personalleitungen lernen hier detailliert und anschaulich die Vorzüge einer Teilzeitberufsausbildung kennen. So erfahren sie etwa, dass Teilzeitauszubildende häufig engagierter, reifer und pflichtbewusster sind oder dass die Arbeitszeiten von Teilzeitauszubildenden flexibel an eigene Betriebsabläufe angepasst werden können. Kontaktdaten von Ansprechpersonen für weitere Informationen sowie Beratungsangebote zum Thema Teilzeitberufsausbildung komplettieren die Handreichung für Unternehmen.

Um das Thema Teilzeitberufsausbildung mehr noch als bisher in die Unternehmen zu tragen und zugleich den Kontakt zwischen potentiellen Auszubildenden und Betrieben anzubahnen, hatte das jüngste der NRW-Netzwerke Unternehmensforen organisiert. Hier konnten Personalverantwortliche mehr über die Rahmenbedingungen der Teilzeitberufsausbildung erfahren und sich direkt bei praxiserprobten Betrieben informieren. Unterstützung fanden sie dabei, so Marion Großschopf von der Regionalagentur Mittlerer Niederrhein, auch in einer „Bewerberprofilbörse“. Stephan Mundt von der IHK Mittlerer Niederrhein. „Die Betriebe öffnen sich allmählich für dieses Ausbildungsmodell und entdecken eine neue Bewerbergruppe, die sie bisher noch nicht im Blickfeld hatten.“

Wie stark das Interesse strategisch denkender Unternehmen schon heute an Informationen über Teilzeitberufsausbildung ist, zeigten die rund 100 Teilnehmenden der zweiten Fachtagung des Netzwerks Teilzeitberufsausbildung der Region Mülheim, Essen, Oberhausen (MEO) im Technologiezentrum Oberhausen. Neben Vertreterinnen und Vertretern der IHK, der Kreishandwerkerschaft, des Unternehmerverbandes, der Wirtschaftsförderung und vielen anderen Akteuren, denen die Relevanz der Teilzeitberufsausbildung immer deutlicher bewusst wird, nahmen auch Unternehmerinnen und Unternehmer teil. Gerd Kleemeyer zum Beispiel, Geschäftsführer der Gera Chemie GmbH in Düren, machte deutlich, dass die Teilzeitberufsausbildung jungen Eltern die Möglichkeit bietet, Familienaufgaben mit einer vollwertigen Ausbildung zu vereinbaren: „Dieses Potential dürfen Unternehmen bei der Fachkräftegewinnung auf keinen Fall zurücklassen.“

Damit zukünftig noch mehr Betriebe als bisher die Möglichkeit einer Teilzeitberufsausbildung nutzen, hat die NRW Regionalagentur MEO gemeinsam mit anderen Netzwerkakteuren einen Leitfaden erstellt. Er enthält vielfältige Informationen über die gesetzlichen Grundlagen und die konkrete Gestaltung der Ausbildung, Praxisbeispiele und Beratungsangebote sowie Angaben über Fördermöglichkeiten für Auszubildende und für Betriebe. Auch die Regionalagentur Westfälisches Ruhrgebiet hat einen Leitfaden erstellt.

Ob Handout oder Leitfaden, Jobbörsen oder Informationsveranstaltung: Alle Aktivitäten der regionalen Netzwerke zum Thema Teilzeitberufsausbildung dienen letztlich nicht nur jungen Müttern und Vätern, die an einer Berufsausbildung interessiert sind, sondern vor allem der Fachkräftesicherung der Betriebe.

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