Gute Praxis in Krefeld

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Gespeichert von migration am 1. Oktober 2014
Foto: Eine Frau und ein Mann bei den Schreinereiarbeiten

Das Handwerk entdeckt. Teilzeitberufsausbildung zur Schreinerin

Handwerksbetrieb aus Krefeld gibt alleinerziehender junger Frau eine berufliche Zukunftschance

Die Krefelder Schreinerei Eberhard Schmitz GmbH beteiligt sich am TEP-Programm und bildet eine junge Mutter zur Schreinerin aus – zum ersten Mail in Teilzeit und als dritte weibliche Auszubildende überhaupt. Die Praxis zeigt – beide Seiten profitieren. In der Region Mittlerer Niederrhein unterstützt ein Netzwerk die Teilzeitberufsausbildung und wirbt für die familienfreundliche Ausbildungsform.

Ausbildung zur Schreinerin in Teilzeit – Handwerksbetrieb aus Krefeld gibt junger Alleinerziehender berufliche Zukunftschance

Eine Teilzeitberufsausbildung bietet gute Möglichkeiten, um Beruf und Familie zu vereinbaren. Das gilt insbesondere für arbeitslose, alleinerziehende junge Mütter. Sie verfügen überdurchschnittlich häufig über keine Berufsausbildung und sind in hohem Maße von Leistungen aus der Grundsicherung abhängig. Das ESF-geförderte Programm „Teilzeitberufsausbildung: Einstieg begleiten – Perspektiven öffnen“ (TEP) begleitet deshalb gezielt junge Menschen mit Familienverantwortung beim beruflichen Einstieg und unterstützt Betriebe, die familienfreundliche Ausbildungsform umzusetzen und motivierte Auszubildende zu gewinnen.
Die Krefelder Schreinerei Eberhard Schmitz GmbH ließ sich überzeugen und bildet nun – zum ersten Mail in Teilzeit und als dritte weibliche Auszubildende überhaupt – eine junge Mutter zur Schreinerin aus. Die Praxis zeigt – beide Seiten profitieren.

Bildungszentrum der Kreishandwerkerschaft Niederrhein als TEP-Träger – Unterstützung für Betriebe und Auszubildende

In der Region Mittlerer Niederrhein wird das Programm „Teilzeitberufsausbildung: Einstieg begleiten – Perspektiven öffnen“ (TEP) vom Bildungszentrum der Kreishandwerkerschaft Niederrhein mit den Standorten Krefeld, Viersen und Neuss umgesetzt. Das regionale Netzwerk Teilzeitberufsausbildung unterstützt die Aktivitäten vor Ort. Die TEP-Teilnehmenden begleitet Projektkoordinatorin Nicole Rottes bei Berufsorientierung und Vorbereitung auf die Ausbildung und berät die beteiligten Unternehmen bei der Umsetzung. Auch mit dem Betrieb von Eberhard Schmitz hat sie intensive Gespräche geführt und ihn davon überzeugen können, eine 27-jährige Alleinerziehende erstmals in Teilzeit auszubilden.

Gute Arbeit in der Werkstatt – Auszubildende überzeugt durch handwerkliches Talent

„Eigentlich wollten wir gar nicht mehr ausbilden“, berichtet Eberhard Schmitz, der seinen auf Büromöbel, Krankenhauseinrichtungen und Innenausbau spezialisierten Betrieb 1981 gegründet und in den folgenden Jahren 16 Lehrlinge, darunter zwei Frauen, erfolgreich ausgebildet hat. Nach anfänglicher Skepsis hat er sich dann doch, wie er heute sagt, auf den „Deal eingelassen“ und den Ausbildungsvertrag nach einem zusätzlichen dreiwöchigen Praktikum abgeschlossen. Überzeugt haben ihn nicht nur die Zusicherung des TEP-Trägers, bei möglichen Schwierigkeiten weiterzuhelfen, sondern auch das handwerkliche Talent und die hohe Motivation der neuen Auszubildenden.

Wenn alle Auszubildenden so fit sind, dann mache ich gerne noch einmal eine Ausbildungsrunde in Teilzeit mit.

„Eine junge Frau mit Kind ist lebenserfahrener, verantwortungsbewusster und auch viel vernünftiger als oftmals Lehrlinge mit 16 oder 17 Jahren. Junge Mütter haben es schwer, einen Ausbildungsplatz zu finden. Das war für mich auch ein Grund, offen zu sein und mitzumachen.“ Die Entscheidung hat der Handwerksmeister nicht bereut und ist im Gegenteil mit dem bislang „mustergültigen“ Verlauf der Ausbildung sehr zufrieden. „Unsere Auszubildende ist in der Werkstatt mehr als gut. Sie versteht zuzupacken und ist im Team sehr beliebt“, erzählt der Chef und ergänzt: „Wenn alle Auszubildenden so fit sind, dann mache ich gerne noch einmal eine Ausbildungsrunde in Teilzeit mit.“

Eberhard Schmitz ist zuversichtlich, dass seine neue Mitarbeiterin die Ausbildung erfolgreich absolvieren wird. Er weiß aber auch: „Als Schreinerin haben Frauen gute Chancen. Wie in allen männertypischen Berufen müssen sie sich aber durchboxen und viel Eigeninitiative und auch Biss mitbringen.“ Immerhin: Seine beiden früheren weiblichen Auszubildenden haben es geschafft und sind heute als Schreinerin im Schiffbau und als Innenarchitektin tätig.

„Angekommen“ – Dank TEP im richtigen Beruf gelandet

„Seitdem ich die Ausbildung mache, fühle ich mich angekommen.“ Marion Stachelhaus, alleinerziehende Mutter einer inzwischen 10-jährigen Tochter und lange Jahre auf Leistungen aus der Grundsicherung angewiesen, ist froh, den Sprung in die Berufswelt geschafft zu haben. „Dank TEP und dem Engagement von Frau Rottes“, wie sie ausdrücklich betont.

Im Rahmen des TEP-Programms werden die Teilnehmenden bei der Vorbereitung und Ausbildungsplatzsuche unterstützt. Während dieser vorgeschalteten Berufsorientierungsphase konnte Marion Stachelhaus vor allem ihre Stärken und Talente ausloten und für sich klären, dass ein Handwerksberuf tatsächlich die richtige Berufswahl ist. „Ins Handwerk wollte ich schon immer und mein eigentlicher Berufswunsch war Malerin. Aber da gibt es so viele Außentermine, dass ich das kaum mit meiner Tochter organisiert bekomme.“

Die jetzige Ausbildung findet sie ideal, „die Arbeit macht Spaß, das Arbeitsklima ist super und alles liegt so nah beieinander, dass ich in 20 Minuten meine Tochter zur Schule bringen und dann mit dem Fahrrad zur Arbeit fahren kann.“ Während der Berufsschultage, die ganztägig stattfinden, übernimmt ihre Mutter die Kinderbetreuung. In den neuen (Berufs-)Alltag hat sich Marion Stachelhaus schnell eingefunden. „Ich muss jetzt mehr planen, aber ich bin viel ausgeglichener und richtig froh, dass ich jeden Tag etwas zu tun habe. Das ist wirklich erfüllend.“

Große Nachfrage – Netzwerk unterstützt Teilzeitberufsausbildung

In der Region Mittlerer Niederrhein hat sich 2014 ein eigenes Netzwerk zur Unterstützung der Teilzeitberufsausbildung gegründet. Zu den Netzwerkpartnern gehören neben der Regionalagentur NiederRhein und der Agentur für Arbeit sowie dem Jobcenter die IHK, die Handwerkskammer, die Kreishandwerkerschaften, die kommunalen Gleichstellungsbeauftragten sowie Bildungsträger und weitere Institutionen.

Unser Netzwerk ist sehr aktiv und wirbt vor allem in kleinen und mittleren Betrieben für die Teilzeitberufsausbildung.

„Das Netzwerk ist sehr aktiv und wirbt vor allem in kleinen und mittleren Betrieben für die Teilzeitberufsausbildung“, berichtet TEP-Projektkoordinatorin Nicole Rottes. Nicht zuletzt diese Unterstützung habe dazu beigetragen, dass die Nachfrage nach Teilzeitberufsausbildung in der Region deutlich gestiegen sei. „Besonders bei jungen Frauen spricht sich das herum und wir haben inzwischen viel mehr Anfragen als Teilnahmeplätze.“ Positiv findet sie insbesondere, dass sich das Handwerk sehr geöffnet habe und Frauen, auch junge Mütter, zunehmend als wichtige Zielgruppe zur Fachkräfterekrutierung wahrnehme. „Hier liegt ein enormes Potential, dass wir unbedingt mitnehmen sollten.“

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