Gute Praxis in Düsseldorf

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Foto: Gruppenfoto Produktionsschule.NRW

Praxisnah. Junge Menschen für die berufliche Zukunft motivieren

Vorbereitung auf den ersten Arbeitsmarkt - Produktionsschule der Jugendberufshilfe gGmbH Düsseldorf

In der Produktionsschule der Jugendberufshilfe gGmbH in Düsseldorf haben 25 junge Menschen die Möglichkeit, sich auf ihr zukünftiges Arbeitsleben vorzubereiten. Die Jugendlichen erproben sich in verschiedenen Berufsbereichen und lernen in der Praxis alles Notwendige, was sie für eine Ausbildung oder Beschäftigung benötigen.

Vorbereitung auf den ersten Arbeitsmarkt - Produktionsschule der Jugendberufshilfe gGmbH Düsseldorf

Produktionsschule.NRW ist ein niedrigschwelliges, über den Europäischen Sozialfonds finanziertes  Angebot für Jugendliche ohne ausreichende Betriebs- und Ausbildungsreife, das berufliche Qualifizierung mit praktischer, produktiver Arbeit verbindet. In der Produktionsschule der Jugendberufshilfe gGmbH in Düsseldorf bereiten sich so 25 junge Menschen, die Unterhaltsleistungen des Jobcenters beziehen, auf ihr zukünftiges Arbeitsleben vor.

Bislang war jeder ihrer Versuche, auf dem Arbeitsmarkt Fuß zu fassen, gescheitert. Jetzt aber bekommen die 25 Jugendlichen und jungen Erwachsenen eine realistische Chance, in absehbarer Zeit doch noch eine Ausbildung zu beginnen oder eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung zu finden. Der Grund für die guten Aussichten: Sie sind Teilnehmende einer Produktionsschule der Jugendberufshilfe gGmbH in Düsseldorf. Das niedrigschwellige Angebot für noch nicht ausbildungsreife junge Menschen verbindet berufliche Qualifizierung mit praktischer, produktiver Arbeit. Für die meist schulmüden und maßnahmeerfahrenen jungen Menschen genau das richtige Konzept. Zugute kommt ihnen die Kompetenz des Trägers: Die Jugendberufshilfe gGmbH, eine Tochter der Stadt Düsseldorf, berät, betreut, qualifiziert und vermittelt schon seit mehr als 35 Jahren erfolgreich Jugendliche beim Übergang von der Schule in den Beruf.

Breites Tätigkeitsspektrum

Die Wahrscheinlichkeit, dass die meist lern- und arbeitsungewohnten jungen Teilnehmenden diesmal nicht vorzeitig aufgeben, ist vergleichsweise hoch, denn sie sind freiwillig hier und nicht zwangszu-gewiesen, wie das bei arbeitsfördernden Maßnahmen von Jobcentern sonst üblich ist. Auch hier geht das Jobcenter Düsseldorf neue Wege, denn vor ihrem „Ja“ konnten die potentiellen Projektteilnehmenden eine Probezeit in der Produktionsschule absolvieren und sanktionsfrei auch dieses Angebot ablehnen. Danach wurde es dann für sie verbindlich.

Entscheiden konnten sie sich für eines der drei hier angebotenen praktischen Einsatzfelder zur Berufsfindung und -vorbereitung: den Garten- und Landschaftsbau, das Berufsfeld „Farbe“ oder das Hotel- und Gaststättengewerbe.

Im Garten- und Landschaftsbau pflegen sie heute im Auftrag der Düsseldorfer Flughafen AG oder der Landeshauptstadt Düsseldorf Liegenschaften und Freiflächen. Ihr Aufgabenspektrum erstreckt sich von der monatlichen Pflege des Rasens mit Rasenschnitt und Vertikutieren über das Bepflanzen bis hin zum Beseitigen von Laub in den Herbst- und Wintermonaten. Des Weiteren steht hier die Pflege von Pflanzringen im Düsseldorfer Stadtgebiet, aber auch die Pflege jüdischer Friedhöfe an.

Vielfältig auch ihr Arbeitsfeld im „Hotel- und Gaststättengewerbe“. Hier lernen sie bei der Bewirtschaftung der Personalkantine des Vinzenz-Krankenhauses sowie bei Veranstaltungen der Stadt Düsseldorf die wirkliche Arbeitswelt in den Berufsbereichen „Küche“ und „Restaurant“ mit echtem Kundenkontakt kennen. Ebenfalls am realen Berufsleben orientiert sind die im Bereich „Farbe“ anfallenden Tätigkeiten, darunter etwa Verschönerungsarbeiten in Jugendeinrichtungen oder Schulgebäuden.

Von der Vorbereitung eines Auftrags bis hin zur Umsetzung - die Jugendlichen und jungen Erwachsenen sind in jede Phase des Arbeitsprozesses einbezogen: „So werden verschüttete Kompetenzen und brachliegende Motivationen freigelegt und sie erkennen in ihrer Arbeit einen Sinn“, erläutert Peter Walbröl, Geschäftsführer der Jugendberufshilfe gGmbH, das Konzept. „Die Entwicklung ihrer Schlüsselqualifikationen durch produktive Arbeit legt die Basis für eine spätere Integration in den Arbeitsmarkt.“

Zertifizierte Qualifizierungsbausteine

Dabei fungieren die Werkstätten und Dienstleistungsbereiche der Produktionsschule als „didaktisch-methodisches Zentrum“, so Peter Walbröl: „Lern- und Arbeitsort bilden eine Einheit.“ Konkret heißt das: Die Qualifizierung erfolgt in allen Arbeitsbereichen in unmittelbarer Verknüpfung mit der Erledigung der Kundenaufträge, also während der praktischen Tätigkeit, über unterschiedliche Module, die sogenannten „Qualifizierungsbausteine“.

Im Bereich „Farbe“ sind das etwa die Qualifizierungsbausteine „Anstrich- und Dämmarbeiten“ oder „Objektlackierungen“ und im Hotel- und Gaststättengewerbe die „Zubereitung einfacher Speisen, Gebäcke und Getränke“ sowie das „Vorbereiten von Obst und Gemüse für die Zubereitung von Rohkost und zur Weiterverarbeitung zu einfachen Gerichten“.

Die Qualifizierungsbausteine sind an die Ausbildungsrahmenpläne angelehnt und entsprechen den tatsächlichen Arbeitsaufträgen.

Der Geschäftsführer: „Die Qualifizierungsbausteine mit einem überschaubaren Zeitvolumen von jeweils knapp 200 Stunden sind an die Ausbildungsrahmenpläne angelehnt und entsprechen den tatsächlichen Arbeitsaufträgen. Alle Qualifizierungsbausteine wurden von der jeweiligen zuständigen Kammer oder Innung abgenommen und zertifiziert.“ Gleiches gilt für die Qualifizierungsbausteine im „Garten- und Landschaftsbau“. Das Besondere hier: Die Module, wie zum Beispiel das „Verlegen von Pflaster und Betonsteinplatten“, wurden von der Jugendberufshilfe in Eigenregie erstellt und anschließend durch die Landwirtschaftskammer abgenommen.

Auch wenn der Alltag in einer Produktionsschule möglichst betriebsnah gestaltet ist, sind - nach einer gewissen Zeit und bei entsprechender Reife - Praktika in einem regulären Betrieb obligatorisch. Probleme, Praktikumsplätze zu akquirieren, hat die Jugendberufshilfe nicht. Peter Walbröl: „Wir kooperieren im Raum Düsseldorf mit mehr als 600 Betrieben. Nicht nur, aber vor allem auch Unternehmen aus der Gastronomie arbeiten gerne mit uns zusammen. Sie sehen in den Jugendlichen der Produktionsschule durchaus Potenzial für ihre zukünftige Arbeitskräftegewinnung.“

Professionelle Unterstützung

Zentrale Ansprechpartner der Teilnehmenden im täglichen Lern- und Arbeitsprozess sind die Ausbilder. In der Düsseldorfer Produktionsschule sind das ein Diplom-Ingenieur der Fachrichtung Landespflege mit langjähriger Ausbildungserfahrung in Maßnahmen der Jugendberufshilfe, ein Malergeselle mit Ausbildereignung und sechsjähriger Erfahrung in berufsvorbereitenden Maßnahmen sowie eine staatlich geprüfte Betriebswirtin der Fachrichtung „Hotel- und Gaststättengewerbe“, ebenfalls mit „Zielgruppenerfahrung“.

In ihrer speziellen Produktionsschulfunktion sind sie, sagt Peter Walbröl, „Begleiter, Unterstützer, Vorbild und Coach“ zugleich: „Sie planen mit den Jugendlichen den Tagesablauf, übertragen täglich die Aufgaben an die einzelnen Jugendlichen, sind für Akquise und  Durchführung der Kundenaufträge verantwortlich, vermitteln die fachpraktischen und fachtheoretischen Inhalte und arbeiten auch aktiv mit den Jugendlichen am Auftrag, also auf der Baustelle oder in Kantine und Küche.“

Zwei sozialpädagogische Fachkräfte komplettieren das Produktionsschul-Personal. Sie arbeiten gemeinsam mit den Jugendlichen daran, deren strukturellen oder in ihrer Persönlichkeit liegenden Vermittlungshemmnisse zu beseitigen. Zur Einzelfallhilfe gehört die professionelle Unterstützung etwa bei psychischen Auffälligkeiten, Drogensucht oder Wohnungsproblemen, bei Verschuldung oder früher Mutter- bzw. Vaterschaft. Bei Bedarf kooperieren die Fachkräfte auch mit dem Wohnungsamt, der Jugendgerichtshilfe oder der Schuldnerberatung. Fachgerechte Unterstützung finden die Jugendlichen zudem, wenn sie sich entschließen, einen Hauptschulabschluss nachzuholen.

Innovative Pläne

Anders als in vielen anderen Produktionsschulen erhalten Teilnehmende in Düsseldorf ein „Qualifizierungsgeld“ von maximal 36 Euro pro Woche, das nicht auf öffentliche Transferleistungen angerechnet wird - gezahlt nicht vom Jobcenter, sondern aus den erwirtschafteten Erträgen der Produktionsschule selbst. Doch niemand bekommt das Geld für bloße Anwesenheit, stellt der Geschäftsführer klar, sondern nach Leistung und Lernerfolg: „Wer das Geld nicht bekommt, weiß auch, warum.“

Die bisherigen Erfahrungen mit der Verknüpfung von Arbeiten und Lernen, mit dem Freiwilligkeitsprinzip und dem Qualifizierungsgeld rechtfertigen das Konzept: Lediglich 34 Prozent der Teilnehmenden sind innerhalb der ersten fünf Monate abgesprungen. Mit diesem Zwischenergebnis liegt die Düsseldorfer Produktionsschule deutlich unter dem Bundesdurchschnitt. „Die Jugendlichen brechen zwar nicht so schnell wieder ab, aber die Arbeitstugenden sind noch nicht bei allen so weit entwickelt, dass sie dem betrieblichen Alltag entsprechen. Um Pünktlichkeit, Ausdauer und Verantwortungsbewusstsein entsprechend auszubilden bedarf es noch einer intensiven Förderung.“

Die Erfolge haben die Jugendberufshilfe gGmbH veranlasst, neue  innovative Wege zu gehen und das Spektrum der  Berufsfelder auszuweiten.

Die Erfolge haben die Jugendberufshilfe gGmbH veranlasst, neue innovative Wege zu gehen und das Spektrum der in ihrer Produktionsschule angebotenen Berufsfelder auszuweiten. Geplant ist der Aufbau eines Werkbereichs „Lager, Logistik, Dienstleistungen“ unmittelbar am Düsseldorfer Flughafen. Peter Walbröl: „Ziel ist, in Kooperation mit dem Flughafenbetreiber betriebsnahe Lernarrangements für rund zehn Jugendliche im Sinne der Produktionsschulen zu implementieren. Die Geschäftsleitung des Flughafens ist generell an dem Projekt interessiert. Eine Entscheidung steht bald an.“ Im Fall einer Realisierung des Projekts sieht der Geschäftsführer Synergieeffekte: „Mit fast 20.000 Beschäftigten ist der Flughafen einer der größten Arbeitgeber in Düsseldorf. Das bedeutet gute Chancen für einige der Jugendlichen, die sich in unserer Produktionsschule bewährt haben. Produktionsschule soll ja möglichst betriebsnah gestaltet sein, und ein Werkbereich direkt am Flughafen - betriebsnäher geht es nicht.“

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