Digitalisierung in Betrieben - Förderangebot der Potentialberatung nutzen

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Foto: Veranstaltung Potentialberatung/Essen

Chancen und Risiken der Digitalisierung für Betriebe und Beschäftigte mit der Potentialberatung erkunden

Veranstaltung in Essen zum Einsatz des ESF-Förderangebots - Berufliche Qualifizierung gewinnt an Gewicht

Für viele Unternehmen und Beschäftigte sind Chancen und Risiken der Digitalisierung noch nicht richtig einzuschätzen. Wie verändern sich Arbeitsplätze, welche Kompetenzen sind erforderlich? Hier kann die Potentialberatung, ein vom ESF gefördertes Angebot in NRW, hilfreich sein. Wie genau, darüber diskutierten am 7. März 2017 in Essen rund 100 Beraterinnen und Berater. Bericht und Fotogalerie

Wie kann das Förderangebot der Potentialberatung bei der innerbetrieblichen Digitalisierung genutzt werden?

Viele Unternehmen und Beschäftigte können Chancen und Risiken der Digitalisierung noch nicht richtig einschätzen. Hier kann die Potentialberatung, ein bewährtes Förderangebot in Nordrhein-Westfalen, hilfreich sein. Wie genau, darüber diskutierten am 7. März 2017 in Essen rund 100 Beraterinnen und Berater.

Erstens: Die Digitalisierung kommt und erfasst alle Unternehmen, auch die kleinen und mittleren. Zweitens: Die Digitalisierung ist gestaltbar. Drittens: Gemeinsam mit den Beschäftigten lässt sie sich besser gestalten. So lautete das Fazit von Roland Matzdorf, Leiter der Abteilung Arbeit und Qualifizierung im MAIS NRW, beim Informations- und Erfahrungsaustausch zur Potentialberatung. Gegenstand der Tagung war die Frage, wie Potentialberatung, ein mit Mitteln des Europäischen Sozialfonds finanziertes Förderangebot in Nordrhein-Westfalen, bei der innerbetrieblichen Digitalisierung im Interesse von Unternehmen und Beschäftigten genutzt werden kann.

Ein Schwerpunktthema: Digitalisierung und berufliche Qualifizierung

Eingangs erläuterte Roland Matzdorf als Vetreter des Arbeitsministeriums den rund 100 anwesenden Beraterinnen und Beratern aus den Regionalagenturen, kommunalen Wirtschaftsförderungen und Kammern die „Ziele und Positionen“ des Landes und verwies in diesem Kontext auf die Allianz "Wirtschaft und Arbeit 4.0", das Pilotprojekt „Arbeit 2020“ sowie auf die Ideenlabore. „Auch wir“, räumte er ein, „haben noch keine fertigen Programme. Aber die Digitalisierung wird ein Schwerpunktthema im nordrhein-westfälischen Arbeitsministerium sein und damit auch die berufliche Qualifizierung.“

So viel ist sicher: Im Zuge der Digitalisierung werden sich Arbeitsplätze radikal verändern. Manche fallen weg, neue entstehen. Schneller als gedacht, so Roland Matzdorf, müssen sich Unternehmen und Beschäftigte dem Veränderungsprozess stellen. Offen aber ist noch die Frage, welche Qualifikationen und Kompetenzen im Betrieb erforderlich sind, um mit der neuen Situation souverän und angemessen umzugehen.

Enorme Auswirkungen hat die Digitalisierung auch auf die Arbeitsorganisation. Beispielhaft dafür steht die Möglichkeit der digitalisierten Bestellung oder auch der Einsatz von Pflegerobotern im Gesundheitssektor. Entscheidend für die Bewältigung der Herausforderungen wird sein, so Roland Matzdorf, „ob die Beschäftigten mit dem Veränderungsprozess nur konfrontiert werden oder ob sie gestaltender Teil des Prozesses sind.“

Angebot der Landesregierung: Die Potentialberatung

Hier offenbart sich eine wichtige Funktion, die eine Potentialberatung im Kontext der betrieblichen Digitalisierung übernehmen kann. Auch bei ihr steht am Anfang die Ist-Analyse: „Nur so lässt sich ein Gesamtüberblick verschaffen - als Voraussetzung für effektives Handeln.“

Insbesondere unterstützt die Potentialberatung die Digitalisierungsprozesse durch die obligatorische Beteiligung der Belegschaft. Roland Matzdorf: „Die für Potentialberatungen typische gemeinsame Festlegung von Maßnahmen in einem Handlungsplan durch Unternehmensleitung und Beschäftigte erhöht die Chancen für die Akzeptanz zu erwartender  Veränderungsprozesse.“

Zudem entspreche die hoch entwickelte Kommunikations- und Kooperationskultur bei Potentialberatungen den steigenden Anforderungen an Dialogfähigkeit etwa zwischen Produktion und Vertrieb oder Planung und Marketing im Zuge der Digitalisierung. Den Unternehmen die Vorteile einer Beteiligung der Beschäftigten auch in diesem Handlungsfeld bewusst zu machen, sei eine der Aufgaben von Beraterinnen und Beratern.

Bedeutungsgewinn: Berufliche Qualifizierung

Der rasante Prozess der Digitalisierung verlangt eine neue Lernkultur, eine permanente Kompetenzentwicklung, der sich auch Ältere stellen müssen: „Berufliche Bildung wird deshalb im Mittelpunkt unserer Arbeit stehen“, versicherte Roland Matzdorf.

Dr. Jens Stuhldreier, Leiter des Referats „Modernisierung der Arbeit“ im MAIS NRW, griff das Stichwort in seinem anschließenden Vortrag auf. Er ließ keinen Zweifel daran, dass die „teils revolutionären Tendenzen der digitalisierten Arbeitswelt“ wie etwa die Individualisierung der Produkte oder die Verschmelzung von realer und virtueller Welt die Arbeitswelt nachhaltig verändern werden: „Nur wenn auch Beschäftigte ihren Beitrag dazu leisten können, eine hohe Qualität und Produktivität sicherzustellen und Innovationen voranzutreiben, nur wenn auch sie den betrieblichen Wandel mittragen oder sogar initiieren und ein erhöhtes Verantwortungsbewusstsein entwickeln, bleibt die Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens erhalten. Ein zentraler Baustein in diesem Kontext ist die Beschäftigungsfähigkeit.“

Zukünftig, stellte Dr. Jens Stuhldreier klar, wird berufsbezogene Weiterbildung immer bedeutsamer. Doch Unternehmen fehle es oft noch an Unterstützung beim Thema Weiterbildung und hier konkret bei der Erlangung digitaler Kompetenzen. Auch hier erweist sich die Potentialberatung in seinen Augen als nützliches Instrument: „Digitalisierung ist ein Thema der Potentialberatung und die Qualifizierungsberatung unterstützt im Rahmen der Potentialberatung die berufliche Weiterbildung“

Digitalisierung in den Regionen

Zu Beginn seines Vortrags hatte Dr. Jens Stuhldreier auf zentrale Tendenzen einer digitalisierten Arbeitswelt hingewiesen. Positiven Folgen wie etwa die hohe individuelle Autonomie und Selbstverwirklichung im Job oder die neuen Chancen für Langzeitarbeitslose oder Menschen mit Handicap stehen Risiken gegenüber wie etwa „die Verschärfung regionaler Disparitäten durch smart regions“.

Wie sich die Digitalisierung in der Potentialberatung aus der Perspektive einer regionalen Beratungsstelle darstellt, illustrierte Andreas Lühmann von der Regionalagentur OWL. Er berichtete, dass von seinen letzten 30 Beratungsgesprächen sich fünf explizit mit dem Thema Digitalisierung befassten. Nach seinen Erfahrungen tun sich klassische Unternehmensberatungen bei der Potentialberatung schwer, das Thema Digitalisierung in ihr Portfolio aufzunehmen. Manche suchen sich technisch versiertere Beratungspartner, um so ein größeres Leistungsspektrum abzudecken.

Gleich anschließend stellte Jennifer Faßbender vom Fachbereich Wirtschaftsförderung der Stadt Aachen das Projekt „Strg AC“ vor. Hier geht es um die Steigerung der digitalen Kompetenz im Rahmen der Fachkräfteinitiative NRW. Sie verdeutlichte zunächst, dass die Digitalisierung alle Betriebe betrifft, auch zum Beispiel den Friseursalon, etwa durch eine Online-Terminvergabe, ein kostenfreies WLAN im Betrieb oder ein digitales Werbe- und Informationssystem. Unternehmen für das Thema aufzuschließen sei indes nicht leicht: „Sie finden Digitalisierung spannend, haben aber momentan eine zufriedenstellende Auftragslage oder ihnen fehlen die finanziellen und personellen Ressourcen für strategische Veränderungsprozesse.“ Weitere Bemühungen, Unternehmen für das Thema Digitalisierung zu sensibilisieren, hält sie für unvermeidlich. Die Potentialberatung sei dafür bestens geeignet.

Unterstützung für die Beratungsszene

In vier Workshops wurde in Essen abschließend im Detail darüber diskutiert, wie die Potentialberatung die Digitalisierung in KMU unterstützen kann und wie es gelingt, eher technisch orientierte Beratungseinrichtungen für die Potentialberatung zu erschließen. Eine der hier besprochenen Fragen betraf aber auch den Unterstützungsbedarf der Beraterinnen und Berater selbst. Das schloss Fortbildungen anhand von Fallbeispielen von Beratungsprojekten in verschiedenen Branchen mit ein. Die temporäre, fallbezogene Zusammenarbeit von Potentialberatung und eher technologisch orientierter Beratung - Stichwort „Tandems“ - wurde dabei als Möglichkeit diskutiert.

Zur Unterstützung der Beratungsszene kündigte Peter Schäffer, Leiter der Abteilung „Arbeitsgestaltung und Fachkräftesicherung“ in der Gesellschaft für innovative Beschäftigungsförderung (G.I.B.) und Moderator der Veranstaltung,  neben den bestehenden Workshops und regelmäßigen Fortbildungsangeboten der G.I.B. eine von seiner Einrichtung erstellte Arbeitshilfe oder einen Leitfaden an. Thema wird sein: „Die Digitalisierung in der Potentialberatung“.

 

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