Jobmappe NRW - Praxis und Einsatz am Berufskolleg

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Lehrer und 2 Lehrerinnen am Spranger Berufskollge mit Jobmappe NRW

"Roter Faden durch das Schuljahr" – Lehrende und Jugendliche sind von Jobmappe NRW überzeugt

Jobmappe NRW – Wie das Eduard-Spranger-Berufskolleg in Gelsenkirchen-Buer das ESF-geförderte Instrument einsetzt

Die Jobmappe NRW hilft jungen Menschen im Übergang Schule - Beruf, ihren Ausbildungs- und Berufsweg zu planen und ihre Lernergebnisse zu dokumentieren. Auch an Berufskollegs leistet das ESF-geförderte Instrument gute Dienste. Ein Bericht schildert Erfahrungen und Einsatz der Jobmappe NRW am Eduard-Spranger-Berufskolleg in Gelsenkirchen-Buer.

Jobmappe NRW - Gute Praxis am Berufskolleg in Gelsenkirchen

Eingesetzt wird die Jobmappe am Eduard-Spranger-Berufskolleg in Gelsenkirchen-Buer in den ausbildungsvorbereitenden Bildungsgängen. „Wir haben es hier nicht mit den einfachsten Schülerinnen und Schülern zu tun“, sagt Ralf Niebisch, Abteilungsleiter und Klassenlehrer am Gelsenkirchener Berufskolleg. „Darunter sind viele Jugendliche im Alter von 16 bis 18 Jahren, die den Schulbesuch zuvor komplett verweigert haben oder von anderen Schulen verwiesen wurden.“

Hinzu kommt: „Die meisten Schülerinnen und Schüler haben dramatisch schlechte Zeugnisse. Da stehen oft nur Fünfen und Sechsen“. Doch der erfahrene Pädagoge weiß auch, dass die Jugendlichen über weit mehr Potentiale verfügen, als in Zeugnissen zum Ausdruck kommt: „Das zeigt zum Beispiel ihr Freizeit-Engagement etwa als Ehrenamtliche bei der freiwilligen Feuerwehr oder als Helfer in Vereinen. Diese Potentiale zu erforschen, zu dokumentieren und weiterzuentwickeln - dabei hilft die Jobmappe NRW an unserem Berufskolleg enorm.“

Konzentration auf die Stärken

Für viele Schülerinnen und Schüler eines Berufskollegs ist die Beschäftigung mit ihren eigenen persönlichen Stärken und Interessen auch in Zeiten des Landesvorhabens "Kein Abschluss ohne Anschluss" noch ungewohnt. Julia Kriegsmann, Lehrerin am Gelsenkirchener Berufskolleg jedenfalls ist erstaunt, wie schlecht sich die Jugendlichen selbst einschätzen: „Wenn ich unsere Schülerinnen und Schüler nach ihren Stärken frage, bekomme ich keine Antwort. Frage ich sie nach ihren Schwächen, fallen ihnen gleich mehrere ein.“ Mit weit reichenden Konsequenzen, ist die Pädagogin überzeugt: „Weil sie ihre Stärken nicht kennen, können sie sich auch beim Vorstellungsgespräch nicht überzeugend präsentieren.“

Genau hier setzt die Jobmappe NRW an. Ihr liegt die Erkenntnis zugrunde, dass Noten allein nur wenig über das wahre Leistungsvermögen aussagen. Deshalb lenkt sie den Blick stärker auf Fähigkeiten und Fertigkeiten, die nicht oder nur nachrangig an Schulen gelernt werden. Im Vordergrund steht also nicht, was die Schülerinnen nicht können, sondern das, was sie können.

Die Arbeit mit der Jobmappe ist in den Augen der Pädagoginnen und Pädagogen am Gelsenkirchener Berufskolleg aber auch ein guter Ansatz, um sie selbst, die Lehrerinnen und Lehrer, aus der Rolle der nur Benotenden herauszunehmen und in die Rolle eines Coachs zu versetzen: „Nützlich sind dabei vor allem die Arbeitsblätter des Instruments zur Selbst- und Fremdeinschätzung.“

Geeignet für den Einsatz in allen Fächern

Die Jobmappe NRW lernen die Schülerinnen und Schüler des Gelsenkirchener Berufskollegs schon bei den Aufnahmegesprächen kennen. Hier erfahren sie etwas über ihren Sinn und ihren konkreten Nutzen. Im Rahmen des Landesvorhabens „Kein Abschluss ohne Anschluss“ gehört die Arbeit mit Portfolioinstrumenten inzwischen zum Standard der Berufs- und Studienorientierung. Ralf Niebisch: „Die meisten Jugendlichen haben an der allgemein bildendenden Schule schon mit einem anderen Portfolio-Instrument, dem Berufswahlpass, gearbeitet. Es wäre gut, wenn die „abgebenden“ Schulen ihre Absolventinnen und Absolventen darauf hinweisen würden, diesen Pass zum Berufskolleg mitzunehmen. Dann könnten wir mit der Jobmappe NRW unmittelbar darauf aufbauen.“

Die Jobmappe NRW ist Eigentum der Schüler, wird aber am Eduard-Spranger-Berufskolleg verschlossen verwahrt: „So können wir im Unterricht bei Bedarf jederzeit darauf zugreifen - und zwar in allen Fächern.“ In den Klassen zur Ausbildungsvorbereitung am Eduard-Spranger-Berufskolleg stimmen sich die Lehrerinnen und Lehrer ab, wer welchen Part in der Arbeit mit der Jobmappe NRW übernimmt. Julia Kriegsmann ist zum Beispiel für den Unterricht in Betriebswirtschaftslehre und Mathematik zuständig, ihre Kollegin Isolde Tadler für den in Englisch und Politik: „Wir haben uns den Inhalt der Jobmappe NRW genau angesehen und entschieden, in welchem Fach welcher Teil idealerweise zur Anwendung kommt“ sagt Isolde Tadler. "Um Bewerbungen kümmern wir uns logischerweise zum Beispiel im Deutschunterricht. Als Vorbereitung darauf habe ich im Differenzierungsbereich aber schon einmal einen kleinen Computerkurs gemacht.“

Zur Jobmappe NRW gehört auch ein USB-Stick. Auf ihm ist der gesamte Inhalt der Jobmappe abgelegt. Die Pädagoginnen: „Für viele unserer Jugendlichen am Berufskolleg ist das heute sogar selbstverständlicher als eine analoge Mappe.“

Schritt für Schritt zum Erfolg

„Die Jobmappe NRW ist kein didaktisch auf die Jugendlichen abgestimmtes Selbstlernprogramm“, stellt Ralf Niebisch klar, „sie lebt davon, dass die Nutzung der Jobmappe NRW in der didaktischen Jahresplanung verankert ist und sie unter Anleitung der Lehrer mit Inhalt gefüllt wird.“ Das System der der Stärkenorientierung habe man am Eduard-Spranger-Berufskolleg zwar schon zuvor gekannt. „Es war aber nicht vernünftig eingebunden“, so Ralf Niebisch. „Jetzt gibt es mit der Jobmappe NRW einen roten Faden, der schrittweise durch das gesamte Schuljahr leitet. Für die Schüler ist nicht nur das Zeugnis am Ende des Schuljahrs wichtig, sie müssen in den zwölf Monaten, in denen sie hier sind, auch sehen, dass sie sich ihrem Ziel nähern. Wenn sie merken, dass die Mappe immer dicker wird und sie schrittweise weitere Kompetenzen hinzugefügt haben, ist das sehr hilfreich. Beispielsweise bieten die Europäischen Computerführerscheine die Möglichkeit auf verschiedenen Niveaus Leistungen bescheinigt zu bekommen. Erfolgserlebnisse wie die bestandenen Zertifikatsprüfungen motivieren die Jugendlichen ungemein.“

Durch den Einsatz der Jobmappe NRW werden zudem Gespräche mit den Jugendlichen über die Ist-Stände der Qualifikationen, Kompetenzen und Vorerfahrungen ermöglicht bzw. erleichtert. Das wiederum fördert eine „stärkenorientierte Grundhaltung“ auch bei Gesprächen mit Ausbildern eines Praktikumsbetriebs, berichtet Ralf Niebisch.

Noch längst nicht alle Betriebe kennen die Jobmappe NRW, andere haben damit aber schon ihre Erfahrungen gemacht, kennen die Beurteilungsvordrucke in der Jobmappe NRW und nutzen sie auch, weil sie wissen, dass die Jugendlichen die Beurteilung für eine spätere Bewerbung verwenden.

Vorteile für alle

Vierteljährliche Förderplangespräche sind am Gelsenkirchener Berufskolleg Standard. Inhalt der Gespräche sind zum Beispiel Lernverhalten, Selbsteinschätzung des Leistungsstandes in den einzelnen Fächern, Einschätzung der persönlichen Situation im Klassenverbund, Belastbarkeit und Unterstützungsbedarf. Resultat des Gesprächs sind Zielvereinbarungen hinsichtlich einzelner Fächer oder auch mit Blick auf soziale Kompetenzen, die im späteren Berufsleben unverzichtbar sind. Auch diese Zielvereinbarungen werden in der Jobmappe NRW festgehalten.

Lehrer wie Schülerinnen und Schüler am Eduard-Spranger-Berufskolleg sind mit der Jobmappe NRW sehr zufrieden. Die Schülerinnen und Schüler finden es hilfreich, dass sie mit der Jobmappe einen festen Sammelort für ihre Unterlagen haben. Das betrifft zum Beispiel auch Bewerbungen, die sie in ausgedruckter Form in der Jobmappe, aber auch in digitaler Form auf dem USB-Stick archivieren können.

Abteilungsleiter Ralf Niebisch macht klar, dass die Jobmappe nicht nur den Schülerinnen und Schülern hilft, sondern auch der Schule. „Die neuen kompetenzorientierten Bildungspläne der Ausbildungsvorbereitung stärken den systematischen Kompetenzerwerb der Schülerinnen und Schüler am Berufskolleg. Die Jobmappe NRW hilft uns Lehrkräften dabei, uns in den Bildungsgängen im Übergangssystem weiter zu professionalisieren und stärkenorientiert zu agieren.“

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