Gute Praxis in Duisburg

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Gespeichert von Arbeit.Meding am 19. August 2016
Foto: Überblick über die Verkaufsfläche mit Textilien, Möbeln, Deko-Gegenständen etc.

Öffentlich geförderte Beschäftigung im Sozialkaufhaus „KadeDi“ - gute Kleidung aus 2. Hand

Langzeitarbeitslose finden über das ESF-geförderte Programm "Öffentlich geförderte Beschäftigung" zurück in die Arbeitswelt

Endlich eine echte Chance! Zehn vormals langzeitarbeitslose Personen haben über das ESF-geförderte Programm "Öffentlich geförderte Beschäftigung NRW" in einem Sozialkaufhaus der Diakoniewerk Duisburg GmbH einen sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplatz gefunden. Das ist gut für sie selbst, für die Umwelt und für die Versorgung auch einkommensschwächerer Menschen.

Sie waren viele Jahre arbeitslos und haben teils schwer wiegende persönliche oder gesundheitliche Probleme. Ihre Chancen, am regulären Arbeitsmarkt irgendwann doch noch mal einen Job zu finden, waren faktisch aussichtslos. Mit Unterstützung des ESF-kofinanzierten Landesprogramms "Öffentlich geförderte Beschäftigung" (ÖgB) und unter Mitfinanzierung des Jobcenters und der Stadt Duisburg ist das scheinbar Unmögliche gelungen: Neun vormals langzeitarbeitslose Frauen und Männer haben in einem Sozialkaufhaus der Diakonie Duisburg eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung gefunden, die zugleich der Umwelt wie auch der Versorgung dient.

Sozialkaufhäuser - das Konzept

Sozialkaufhäuser, das sind Läden, in denen gebrauchte und gespendete Gebrauchsgüter, Haushaltswaren und Textilien zum Verkauf angeboten werden. „Unsere Sozialkaufhäuser“, erläutert Michael Richard-Sommer, Leiter des Fachbereichs Arbeit und Ausbildung beim Diakoniewerk Duisburg, das Konzept, „erlauben auch Menschen mit kleinem Einkommen im Stadtteil, am regulären Marktgeschehen teilzunehmen und nicht auf Almosen angewiesen zu sein.“
Insgesamt fünf dieser Kaufhäuser betreibt die Duisburger Diakonie unter der Firmenbezeichnung „KadeDi“ - „Kaufhaus der Diakonie“. Der Name ist weit mehr als nur eine ironische Anspielung auf das Berliner Edelkaufhaus „KadeWe“. Michael Richard-Sommer: „Wir wollen damit zum Ausdruck bringen, dass wir hier keinen Ausschuss, sondern ein gut sortiertes Angebot hochwertiger Waren präsentieren, das hinsichtlich Qualität und Präsentation dem anspruchsvoller Geschäfte im regionalen Umfeld in nichts nachsteht.“

In seiner neuen Filiale im Duisburger Stadtteil Neumühl will das Diakoniewerk Duisburg mit Hilfe des Landesprogramms Öffentlich geförderter Beschäftigung seine Aktivitäten im Bereich der Sozialkaufhäuser um das Segment "Rohstoffgewinnung im Textilbereich" erweitern. Konkret heißt das: Die auf kircheneigenen Plätzen aufgestellten Altkleider-Container werden mit eigenem Fahrzeug abgeholt und geleert. Anschließend wird die darin enthaltene Kleidung hinsichtlich ihrer Verwertbarkeit gesichtet, gewaschen, für den Verkauf aufbereitet und im Sozialkaufhaus dem Wertstoffkreislauf wieder zugeführt. Gegebenenfalls soll das neue Marktsegment nach Auskunft von Michael Richard-Sommer auch Dauerarbeitsplätze generieren.

Professionelles Coaching

In diesem neuen Geschäftsfeld sind die zehn über das Landesprogramm ÖgB eingestellten Personen beschäftigt. Ihr Arbeitsgebiet sieht im Einzelnen so aus: Täglich fahren sie mit Kleinlastwagen verschiedene Container-Stellplätze im Stadtgebiet an, übernehmen hier eine erste Vorsortierung nach Kleidung und Fremdmaterial. Letzteres wird von ihnen fachgerecht entsorgt. Die ausgewählten Textilien werden später erneut sortiert, diesmal nach Verschmutzungs- und Nässegrad. Nicht verkäufliche Textilien werden an einen zertifizierten Verwerter weitergeleitet. Bei der abschließenden Feinsortierung wird nach Stoffgruppe und Qualität der Kleidung differenziert. Letzter Arbeitsschritt ist die Auszeichnung der Ware und deren fachgerechte Lagerung. Reinigung und Prüfung der Funktionstüchtigkeit der Container, Instandhaltung und Reinigung der Lagerflächen sowie die Übernahme kleinerer Verwaltungs- und Verkaufstätigkeiten komplettieren das Tätigkeitsspektrum.
Damit die zehn gemeinsam mit dem Jobcenter ausgewählten ÖgB-Beschäftigten, von denen viele über keinen Berufsabschluss verfügen oder schon seit Jahren nicht mehr im erlernten Beruf gearbeitet haben, tatsächlich in der Lage sind, die umfassenden Aufgaben zu bewältigen, sah das ÖgB-Konzept ein dreimonatiges vorgelagertes Coaching zur Teilnehmerauswahl vor. Auch das projektbegleitende Coaching erfolgt in enger Zusammenarbeit mit den Integrationsfachkräften des Jobcenters und beinhaltet einen kontinuierlich fortzuschreibenden Förderplan für jeden Einzelnen von ihnen, denn: Oberstes Ziel des Landesprogramms ist die spätere Integration in den ersten Arbeitsmarkt.

Gezielte Qualifizierung

Als gemeinnützige Betriebe sind die Sozialkaufhäuser nicht gewinn-, aber sehr wohl marktorientiert. Das setzt Professionalität in Marketing und Verkauf voraus und die wiederum qualifizierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Das gilt auch für die zehn über ÖgB beschäftigten Personen.
Deren Qualifizierung erfolgt in Gruppen oder individuell. Die fachpraktischen Gruppenangebote umfassen zum Beispiel Waren-, Marken- und Etikettenkunde, Reinigung der Textilien und Kleinreparaturen, Lagerhaltung und Warenpräsentation, aber auch EDV-Training und, so Michael Richard-Sommer, „ein hochwertiges Telefontraining sowie ein Modul zum Führen professioneller Verlaufsgespräche mithilfe einer Videopräsentation.“ Zum Abschluss eines jeden Moduls erhalten die vormals Langzeitarbeitslosen „berufsverwertbare Zertifikate als Qualifizierungsnachweise“.
Individuelle und bedarfsgerechte Angebote ergänzen das Qualifizierungsspektrum. Dazu zählen zum Beispiel Fahrtrainings für den Transport der Waren oder der Erwerb und die Erweiterung eines Führerscheins, um auch größere Transporter fahren zu können. Flankierende Qualifizierungsmodule dienen zur Verbesserung der sozialen Kompetenz. Themen hier sind zum Beispiel Stressbewältigung, Bewegung und Ernährung oder auch Beratungsangebote im Bereich Sucht. Umgesetzt werden die Module teils mit externen Anbietern wie etwa dem Stadtsportbund, den Sportvereinen oder Krankenkassen.

Frühzeitiges Übergangsmanagement

Zur Vorbereitung auf den späteren Übergang in den regulären Arbeitsmarkt stehen ebenfalls Qualifizierungsmodule auf dem Programm. Sie beinhalten Bewerbungstrainings oder Rollenspiele zur Simulation von Vorstellungsgesprächen.

Die Frage, ob auch eine spätere Übernahme einzelner ÖgB-Beschäftigter in einem der Sozialkaufhäuser denkbar ist, beantwortet Michael Richard-Sommer so: „Grundsätzlich ja. Viele unserer jetzigen Stammkräfte haben früher über andere öffentlich geförderten Maßnahmen den Zugang zum regulären Beschäftigungsverhältnis gefunden. Doch letztlich ist eine Übernahme auch von der wirtschaftlichen Gesamtlage abhängig und davon, ob sich das neue Marktsegment durchsetzen kann.“

Selbst wenn keine der zehn Personen von ihrem jetzigen Arbeitgeber übernommen werden kann, bewertet Michael Richard-Sommer ihre beruflichen Aussichten positiv - aus einem besonderen Grund: „Die über ÖgB beschäftigten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind hinsichtlich ihrer Vermittlungshemmnisse weitgehend identisch mit jenen, die zum Beispiel eine Arbeitsgelegenheit in Anspruch nehmen. Doch bei ÖgB NRW haben sie einen Arbeitsvertrag mit allen Rechten und Pflichten eines regulären Beschäftigungsverhältnisses. Zudem müssen sie keine öffentliche Unterstützung mehr beantragen. All das steigert die Anerkennung, die sie in ihrem persönlichen Umfeld finden, sowie ihr Selbstbewusstsein und ihre Motivation. Das sind beste Voraussetzungen für einen späteren sozialversicherungspflichtigen Job zum Beispiel im Transportgewerbe oder im Handel - alles dank ÖgB NRW.“

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