Gute Praxis in Gelsenkirchen

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Foto: Team vom Lebensmittelmarkt Heßler

Berufliche Perspektiven wiedergewinnen und stadtteilnahe Angebote schaffen

Lebensmittelmarkt in Gelsenkirchen eröffnet für Langzeitsarbeitslose und Stadtteil neue Chancen

Nach sechs Jahren Arbeitslosigkeit wieder täglich zur Arbeit gehen und neue berufliche Perspektiven erschließen. Unmöglich? Keineswegs! Mit dem Landesprogramm "Öffentlich geförderte Beschäftigung" ist das im Heßler-Markt in Gelsenkirchen gleich mehrfach gelungen. Für die ehemaligen Langzeitarbeitslosen, aber auch für den Stadtteil, ist das ein Gewinn.

Arbeiten lernen - Öffentlich geförderte Beschäftigung (ÖgB) in Gelsenkirchen

Im Sommer 2015 eröffnete die GAFÖG GmbH in Gelsenkirchen-Heßler einen Einzelhandelsmarkt. Das Angebot umfasst Lebensmittel und andere Produkte für den täglichen Bedarf. Das Besondere daran: Neben der Stammbelegschaft sind hier sieben langzeitarbeitslose Personen sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Das Durchschnittsalter liegt bei 48 Jahren. Gefördert werden sie über das NRW-Landesprogramm "Öffentlich geförderte Beschäftigung" sowie über den Europäischen Sozialfonds.

Arbeit und Qualifizierung - Einsatz als Markthelferinnen und Markthelfer

Die Auswahl der Langzeitarbeitslosen erfolgt in Kooperation mit dem örtlichen Jobcenter. In einem Kompetenzfeststellungsverfahren wird ihre tatsächliche Eignung geprüft. Liegt sie vor, werden sie als Markthelferinnen und Markthelfer eingesetzt. Sie arbeiten im Schichtdienst, von Montag bis Samstag in der Zeit von 7 bis 19 Uhr. Zu ihren Arbeiten gehören das Einräumen der Waren in die Regale, die Kontrolle der Mindesthaltbarkeitsdauer der Waren, aber auch das Kassieren an der Scanner-Kasse.  
Doch das ÖgB-Konzept des Landes umfasst mehr als nur Beschäftigung. Ebenso wichtig ist die Qualifizierung, denn das Programm zielt auf nachhaltige Integration in den Arbeitsmarkt. Die Qualifizierungsmodule sind angelehnt an den Ausbildungsrahmenplan für angehende Einzelhandelskaufleute: Hygienevorschriften gehören dazu, Kundenservice, aber auch Verwaltungstätigkeiten wie Kalkulation und Inventur. Hinzu kommt die Qualifizierung im beruflichen Alltagsgeschäft.

Professionelles Coaching - Hilfe bei der neuen Alltagsbewältigung

Während ihrer Arbeit und bei der Qualifizierung stehen die ehemals Langzeitarbeitslosen nicht allein. Sie finden Unterstützung bei professionellen Coaches. Sie unterstützen insbesondere die Entwicklung eigener Lösungsvorschläge der Beschäftigten.
Gemeinsam erforschen sie deren Fähigkeiten und Entwicklungspotenziale, aber auch Probleme bei der Alltagsbewältigung. Daraus wiederum leiten sie konkrete Unterstützungsbedarfe sowie geeignete Qualifizierungsmaßnahmen ab. Festgehalten werden die Ergebnisse in verbindlichen Zielvereinbarungen. GAFÖG-Geschäftsführer Dr. Stefan Lob: „Das alles sorgt für Stabilisierung und verbessert die Chancen auf eine ungeförderte Beschäftigung im ersten Arbeitsmarkt.“

Die intensiven Gespräche und konkreten persönlichen Hilfen der Coachin haben mir wirklich sehr geholfen.

Wie sinnvoll das Coaching ist, hat Elfriede Fölsch an sich selbst erfahren, sie ist im Heßler-Markt über das ÖgB-Programm beschäftigt. Aufgrund chronischer Erkrankungen war sie noch nie in einer sozialversicherungspflichtigen Erwerbsarbeit tätig und sah die Teilnahme am Programm als eine große Chance. Mit großem Engagement stürzte sie sich auf ihren neuen Job.
„Doch der Anfangseuphorie folgte schon bald eine gewisse Ernüchterung“, so Job-Coachin Michaela Lipertowicz. „Die ungewohnte Beanspruchung, der Schichtdienst, die ständige Selbstüberforderung sowie die Familienarbeit zu Hause blieben nicht ohne Folgen: Motivation und Leistung ließen nach. Für mehrere Wochen meldete sich die Mitarbeiterin krank.“  
In jedem regulären Arbeitsverhältnis hätte das zum beruflichen Aus führen können. Nicht so beim ÖgB-Landesprogramm mit seinem Coaching-Konzept. Elfriede Fölsch: „In dieser Übergangsphase haben mir die intensiven Gespräche und konkreten persönlichen Hilfen der Coachin wirklich sehr geholfen.“
Heute hat die Mitarbeiterin längst zu ihrer anfänglichen Leistungsstärke zurückgefunden. Mehr noch: Mittlerweile hat sie ihr Arbeitsfeld erweitert. Sie räumt nicht nur Waren ein, sondern übernimmt auch verantwortungsvolle Tätigkeiten an der Kasse.    

Vorteile für alle - Teilnehmende und Stadtteil profitieren

Das Beispiel zeigt: ÖgB NRW ist ein schlüssiges Gesamtkonzept aus Beschäftigung, Qualifizierung und Coaching. Nicht nur Elfriede Fölsch profitiert davon. Auch die anderen Teilnehmenden wissen Positives zu berichten. Nach langen Jahren der Arbeitslosigkeit haben sie endlich wieder eine realistische berufliche Perspektive. Aber auch der Stadtteil gewinnt, denn: Für die Bewohnerinnen und Bewohner - viele von ihnen sind über 60 Jahre alt - gibt es endlich wieder einen Lebensmittelmarkt in fußläufiger Entfernung.

 

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