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Foto: Mitarbeiter der GrünBau GmbH

Beschäftigung schaffen und Stadtteil verbessern

Langzeitarbeitslose packen an und setzen Wohnhaus in Dortmunder Nordstadt in Stand

Im Rahmen des ÖgB-Vorhabens "Aktiv statt passiv!" hat die gemeinnützige GrünBau gGmbH in der Dortmunder Nordstadt aus einer Problemimmobilie wieder ein solides Wohnhaus gemacht. Mit dabei: Fachfirmen aus dem Stadtteil und zwölf Beschäftigte, die langjährig arbeitslos waren. In Dortmund wird das landesweit größte Vorhaben öffentlich geförderter Beschäftigung umgesetzt.

Beschäftigung schaffen und Wohnquartier verbessern – Langzeitarbeitslose packen an und setzen Wohnhaus in Dortmunder Nordstadt in Stand

Im Rahmen des Dortmunder ÖgB-Vorhabens „Aktiv statt passiv!“ hat die gemeinnützige GrünBau gGmbH ein zentrales Projekt erfolgreich abgeschlossen und damit auch bundesweit Anerkennung gefunden: In der Brunnenstraße 51 in der Dortmunder Nordstadt ist aus einer Problemimmobilie wieder ein solides Wohnhaus geworden, das bezahlbaren Wohnraum für eine neue, vorwiegend junge studentische Mieterschaft bereit stellt. Das Besondere: Die Instandsetzung organisierte der Qualifizierungs- und Beschäftigungsträger gemeinsam mit Fachfirmen aus dem Stadtteil und zwölf Beschäftigten, die zuvor alle langjährig arbeitslos waren. Das Projekt wurde mit dem renommierten „Preis Soziale Stadt 2014“ ausgezeichnet. Im Rahmen des NRW Wettbewerbs „10 Jahre Stadtumbau West“ erhielt das Projekt kürzlich auch die Sonderauszeichnung „Umgang mit Schrottimmobilien“.

In Dortmund wird das landesweit größte ÖgB-Vorhaben mit insgesamt 226 Arbeitsplätzen für ehemals Langzeitarbeitslose umgesetzt. Träger ist die Interessengemeinschaft sozialgewerblicher Beschäftigungsinitiativen – ISB e.V., in der sich Dortmunder Beschäftigungs- und Bildungsträger zusammengeschlossen haben.

Brunnenstraße 51 – beispielhaftes Engagement im Wohnquartier

Das Projekt Brunnenstraße 51 haben GrünBau-Geschäftsführer Andreas Koch und Fachbauleiter Lothar Noskowiak intensiv begleitet. Sie erinnern sich noch gut an den ursprünglichen Zustand der Problem- oder besser „Schrottimmobilie“. „Durch die illegale Nutzung war das Haus unglaublich heruntergewirtschaftet und musste komplett entrümpelt und entkernt werden. Als wir hier mit unserer Bau-Mannschaft anrückten, haben die Nachbarn Beifall geklatscht.“ Vierzehn Monate später können sie nach umfangreichen Bauarbeiten ein vollständig saniertes Wohnhaus übergeben, mit insgesamt zehn Wohneinheiten auf fünf Etagen. Die neuen Mieter, so sieht es der Eigentümer, die städtische Wohngesellschaft DOGEWO21, vor, sind überwiegend junge Leute und Studierende.

Für Arbeitslose aus dem Quartier wollten wir Beschäftigung nach den Prinzipien von fairer Arbeit schaffen und zugleich einen Beitrag zur Stabilisierung des Wohnquartiers leisten.

„Mit dem Projekt haben wir zwei Ziele verbunden, die immer gleichwertig nebeneinander standen“, erläutert Andreas Koch das besondere Anliegen. „Für Arbeitslose aus dem Quartier wollten wir Beschäftigung nach den Prinzipien von fairer Arbeit schaffen und zugleich einen Beitrag zur Stabilisierung des Wohnquartiers leisten.“ Die ehemals arbeitslosen GrünBau Mitarbeiter arbeiten in den einzelnen Gewerken als Helfer unter realen Arbeitsmarktbedingungen. Dazu trägt auch die enge Kooperation mit Fachfirmen aus der Dortmunder Nordstadt bei.

Preiswürdig – Projekt erhält Auszeichnungen von Bund und Land

Für seine besonderen Leistungen ist das Dortmunder Projekt gleich zweimal ausgezeichnet worden. Der renommierte „Preis Soziale Stadt 2014“ empfiehlt die Dortmunder Brunnenstraße als bundesweites Musterbeispiel. Gelobt wird vor allem das „vorbildliche und innovative Engagement“. Das Projekt, heißt es in der Begründung, sei eine „Blaupause für die Inwertsetzung weiterer Problemgebäude, um die Abwärtsspirale von Wohnvierteln zu stoppen und gleichzeitig Beschäftigung zu schaffen“. Im Rahmen des NRW-Wettbewerbs „10 Jahre Stadtumbau West“ kam kürzlich die Sonderauszeichnung „Umgang mit Schrottimmobilien“ hinzu. Das Projekt mache deutlich, dass „man Immobilien nicht ausschließlich dem Markt überlassen kann, sondern dass öffentliche Hand und auch Gesellschaft gefragt sind“.

Arbeitsleistung gefragt – Arbeitslose erfolgreich als Bauhelfer eingesetzt

Bei der Instandsetzung der Immobilie ging es von Anfang direkt zur Sache und das Projekt verlangte auch den über das ÖgB-Programm beschäftigten Mitarbeitern professionelle Arbeitsleistungen ab. „Viele unserer Leute sind sehr lange arbeitslos gewesen. Daher war uns wichtig, dass sie vor allem über Grundkompetenzen wie Verlässlichkeit und Pünktlichkeit verfügen. Wir haben schließlich eine gute Truppe zusammenbekommen, die wirklich zupacken konnte“, berichten Andreas Koch und Lothar Noskowiak von GrünBau. Als Generalübernehmer trägt die GrünBau die Gesamtverantwortung und hat damit auch die Einhaltung der Qualitätsstandards bei der Sanierung der Wohnimmobilie zu gewährleisten.

Nach einem Profiling- und Kompetenzfeststellungsverfahren wählte das Jobcenter zunächst mögliche Bewerber aus dem SGB II-Bezug aus und schlug sie in Absprache mit GrünBau zur Beschäftigung als Bauhelfer vor. Pro Arbeitsplatz zahlt das Jobcenter, je nach Leistungsfähigkeit, einen Lohnkostenzuschuss von bis zu 75 Prozent. GrünBau stellt als Arbeitgeber die zeitlich befristeten Arbeitsplätze (in der Regel 24 Monate) zur Verfügung, begleitet und schult die neuen Mitarbeiter und verpflichtet sich, branchenüblich nach Tarif zu entlohnen.

Das Besondere am ÖgB-Programm: Ein Jobcoach unterstützt bei persönlichen oder beruflichen Anliegen, vermittelt geeignete Hilfsangebote wie beispielsweise Schuldner- oder andere soziale Beratungen und bereitet, wenn möglich, auf Bewerbungen auf Stellen außerhalb des geförderten Projektes vor. Für die Teilnehmenden besteht zudem die Möglichkeit zur individuellen Weiterbildung und Qualifizierung. Diese begleitenden Angebote, so ist GrünBau-Geschäftsführer Andreas Koch überzeugt, machen das ÖgB-Programm nicht nur „einzigartig, sondern auch einzigartig erfolgreich“.

„Durch die Arbeit hier haben die Leute unglaublich an Selbstwertgefühl gewonnen“, berichtet Jobcoach-Koordinator Torsten Lettmann. Neben den beruflichen Erfahrungen und Qualifizierungen sei das ein entscheidender Faktor für die weitere Teilhabe in Gesellschaft und am Arbeitsleben. „Die Beschäftigten arbeiten hochmotiviert und sind stolz darauf, dass sie etwas geschaffen haben, das Bestand hat.“

Hochmotiviert am Arbeitsplatz

Einer von ihnen ist Sadettin Kisa, ein 27-jähriger junger Mann, mit Schulabschluss, aber ohne Ausbildung und, wie er selbst sagt, ohne „handwerkliches Talent“. Im Rahmen des Projekts hat er zum ersten Mal in seinem Leben einen ganz normalen Arbeitsplatz, mit Vertrag und regelmäßigem Lohn – und ist erstmals ganz unabhängig von Leistungen durch das Jobcenter.

Allein diese Tatsache macht ihn ungeheuer stolz. Bei der Instandsetzung hat er engagiert mitgearbeitet und in den unterschiedlichen Gewerken assistiert. „Hier konnte ich zeigen, dass ich etwas kann. Bei Problemen gibt es Unterstützung. Die Chefs haben Geduld und erklären alles in Ruhe. Das ist meine Chance und ich bin sehr dankbar für dieses Projekt.“ Wie es weitergeht, weiß er allerdings noch nicht so genau. Nach Abschluss der Sanierung in der Brunnenstraße arbeitet er für die restliche Beschäftigungsdauer erst einmal auf einer anderen Baustelle, die von GrünBau betreut wird.

Perspektiven für den Arbeitsmarkt

GrünBau-Geschäftsführer Andreas Koch sieht die Perspektiven der Projektbeschäftigten insgesamt positiv. In der Bauwirtschaft bestehe zurzeit ein großer Bedarf, auch an Helfertätigkeiten. Daher rechnet er damit, dass die meisten Mitarbeiter anschließend auf dem ersten Arbeitsmarkt eine Beschäftigung finden, möglicherweise sogar bei einem der am Projekt beteiligten Fachbetriebe.

Allerdings werde es immer einige Teilnehmende geben, die es voraussichtlich nicht schaffen werden. Für diese Fälle, sagt er in die Zukunft blickend, „wünschen wir uns die Möglichkeit, die Förderung individuell entfristen und eine dauerhafte Beschäftigung auf einem sozialen Arbeitsmarkt etablieren zu können.“

Aktiv statt passiv! – ein Modellprojekt, um Chancen für den sozialen Arbeitsmarkt auszuloten

In Dortmund wird das mit Abstand größte Vorhaben des Landesprogramms „Öffentlich geförderte Beschäftigung“ umgesetzt, gefördert aus Mitteln des Landes und des Europäischen Sozialfonds. Beteiligt sind neun Träger der Interessengemeinschaft sozialgewerblicher Beschäftigungsinitiativen – ISB e.V., darunter die GrünBau gGmbH mit insgesamt 32 ÖgB-geförderten Arbeitsplätzen. In unterschiedlichen Branchen wie etwa Bau, Recycling, aber auch Senioren- und Gesundheitswirtschaft stellt die ISB insgesamt 226 Arbeitsplätze für Langzeitarbeitslose mit mehreren Vermittlungshemmnissen bereit, die das Jobcenter Dortmund mit rund 7 Mio. Euro fördert. Dabei ist die gute Kooperation der Akteure vor Ort und das Zusammenbringen von Know-how und Ressourcen von Seiten des Jobcenters, des Landes, der Träger und der Kommune die Grundlage für die gelungene und erfolgreiche Förderkombination in Dortmund. 

Statt perspektivloser Passivität in der Arbeitslosigkeit sollen Möglichkeiten für eine aktive Beteiligung am Erwerbsleben und damit Wege zur dauerhaften beruflichen und sozial Integration geschaffen werden.

Der Titel „Aktiv statt passiv!“ ist Programm. Statt dauerhafter Zahlung von Transferleistungen und perspektivloser Passivität in der Arbeitslosigkeit sollen Möglichkeiten für eine aktive Beteiligung am Erwerbsleben und damit Wege zur dauerhaften beruflichen und sozial Integration geschaffen werden. Weil die Teilnehmenden durch ihre sozialversicherungspflichtige Beschäftigung nicht mehr oder nur in geringerem Umfang auf aufstockende Transferleistungen, wie etwa Leistungen zur Unterkunft, angewiesen sind, können die eingesparten Mittel zum Beispiel in Lohnkostenzuschüsse umgewandelt und damit weitere Arbeitsplätze geschaffen werden.

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