"NRW. Das machen WIR!" - eine Zwischenbilanz. Landesaktion zeigt vorbildliche Projekte

Bild des Benutzers Arbeit.Meding
Gespeichert von Arbeit.Meding am 16. März 2017
Foto: Gruppenfoto

Geflüchtete Menschen integrieren - Projekte und Initiativen engagieren sich in NRW beispielhaft

Bilanzveranstaltung zur Landesaktion - zahlreiche Initiativen in den NRW-Kommunen - "NRW ist Integrationsland"

NRW kann Integration - das zeigt die Zwischenbilanz zur Landesaktion "NRW. Das machen WIR!“. Bereits mehr als 100 beispielhafte Projekte in ganz Nordrhein-Westfalen unterstützen geflüchtete Menschen auf dem Weg in Arbeit und Ausbildung. Einige Highlights der Aktion präsentierte Arbeits- und Integrationsminister Rainer Schmeltzer auf einer Veranstaltung in Düsseldorf. Bericht und Fotogalerie

Gelungene Projekte und Initiativen zur Integration geflüchteter Menschen in NRW

Die Integration geflüchteter Menschen in Arbeit und Ausbildung gelingt - das beweisen schon heute mehr als 100 Projekte in 53 nordrhein-westfälischen Städten und Gemeinden. Einige von ihnen präsentierte Arbeits- und Integrationsminister Rainer Schmeltzer am 14. März 2017 auf einer Veranstaltung in Düsseldorf.

In Aachen und Bielefeld, Dortmund und Düsseldorf, Wuppertal und Havixbeck - überall in nordrhein-westfälischen Städten und Gemeinden gibt es Initiativen mit dem Ziel, geflüchtete Menschen in Arbeit und Ausbildung zu integrieren. Dargestellt werden sie auf einer NRW-Landkarte unter www.das-machen-wir.nrw, die beweist: Der Titel der Landes-Aktion „NRW. Das machen Wir!“ ist Anspruch und Wirklichkeit zugleich.
Das konnten rund 250 Besucherinnen und Besucher der „Bilanzveranstaltung“ zur Aktion in Düsseldorf erfahren - eine „Zwischenbilanz, genauer gesagt“, wie Arbeits- und Integrationsminister Rainer Schmeltzer gleich zu Beginn betonte, denn jede Woche kommen neue Projekte zu den rund 100 in bislang 53 Städten und Gemeinden hinzu. Anlass und Berechtigung genug für den Minister zu sagen: „NRW ist ein starkes Integrationsland!“ Und: „Wir leben Integration!“

Kreativität und Engagement

Auf vorherigen, regionalen Veranstaltungen zur Landesaktion hatte Rainer Schmeltzer nach eigenem Bekunden „in vielen persönlichen Begegnungen“ erlebt, auf welch unterschiedliche Art und Weise Integration gelingen kann. Der Minister wörtlich: „Ich war beeindruckt, mit welchen Ideen, welchem Engagement und welcher Kreativität Flüchtlinge nicht nur über die klassischen Wege in Arbeit und Ausbildung zu integrieren sind, sondern auch über Kunst, Kultur und Sport.“ Jede Sportart, so der Minister, bietet sich für integrative Maßnahmen an, „auch zum Beispiel Schwimmen für muslimische Frauen.“

Durchweg positiv bewertete den bisherigen Verlauf der Aktion auch Bernward Brink, Geschäftsführer der Gesellschaft für innovative Beschäftigungsförderung (G.I.B.). Sie übernimmt in enger Kooperation mit dem Ministerium die Umsetzung der Landesaktion. Bernward Brink benannte die Faktoren, die es braucht, um die Aktion zum Erfolg zu führen: „Menschen, Ideen, aber auch Netzwerke von Akteuren“, wobei er insbesondere auf die Bedeutung der Regionalagenturen in diesem Kontext verwies sowie die „flächendeckende Infrastruktur“ an Integration Points, Kommunalen Integrationszentren und Migrantenselbstorganisationen.

Darin stimmte er mit Burkhard Hintzsche überein. Der Stadtdirektor und Sozialdezernent der Landeshauptstadt erinnerte an die große Kraftanstrengung aller Kommunen in der jüngsten Vergangenheit bei der Erstunterbringung von Flüchtlingen, aber auch an „das vorbildliche Engagement“ kommunaler Einrichtungen, Verbände und Vereine sowie der vielen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer bei der weiteren Integration.

Arbeit und Ausbildung im Unternehmen

Dass sich deren Einsatz gelohnt hat, unterstrichen die zehn in Düsseldorf vorgestellten Projekte. Da ist zum Beispiel ein Projekt in Wuppertal, gemeinsam kreiert vom Jobcenter Wuppertal und der GESA, einem Diakonischen Sozialunternehmen. Hier trainieren junge Geflüchtete - „Trainingssprache ist Deutsch“ - gemeinsam mit Thomas Richter, einem ehemaligen Fußballtrainer des Wuppertaler SV, für ein Turnier, bei dem sie gegen Mannschaften Wuppertaler Unternehmen antreten. Integrationsbarrieren wie etwa mangelnde Sprachkompetenz oder unterschiedliche Kulturen, so der Tenor, lassen sich am ehesten im Sport überwinden.

Beim sportlichen Engagement der Flüchtlinge belassen es die Projektverantwortlichen indes nicht. Zu jedem Spiel nehmen die jungen Geflüchteten zuvor erstellte Autogrammkarten mit. Auf ihnen sind ihr Name, ihre Kontaktdaten, ihre bisherige Schul- und Berufsausbildung sowie ihre beruflichen Interessen und Talente verzeichnet. Nach dem Spiel werden die Autogrammkarten den „gegnerischen“ Unternehmen überreicht. Sie können sich später melden, wenn ihrerseits ein Interesse an einem Vorstellungsgespräch besteht. Bei Omar Bakera war das der Fall. Er kann schon bald in einem Wuppertaler Unternehmen seine Ausbildung als Elektroniker beginnen.

Beispielhaft auch das Engagement der ONI-Wärmetrafo GmbH. Eindrucksvoller lässt sich unternehmerisches Handeln kaum demonstrieren: Als die Gemeinde Lindlar bei Wolfgang Oehm, dem geschäftsführenden Gesellschafter, anfragte, ob er ein oder zwei Asylbewerbern in seinem Unternehmen einen Praktikumsplatz zur Verfügung stellen könne, ließ die erstaunliche Antwort nicht lange auf sich warten. 50 von ihnen, so der Firmenchef, wolle er einen Sprachkurs finanzieren und zehn davon wiederum könnten in seinem Betrieb ein Praktikum absolvieren - mit der schriftlich zugesicherten Option auf einen Ausbildungsplatz! „Ein Ausbildungs- oder Arbeitsplatz“, sagte Wolfgang Oehm in Düsseldorf, „ist das sicherste Mittel gegen Abschiebung.“ An der Stelle dankte er der Landesregierung, „die tatkräftig dazu beigetragen hat, dass keiner, der in unserem Unternehmen eine Stelle gefunden hat, abgeschoben worden ist - doch manchmal“, ergänzte er, „standen wir nur Millimeter davor.“

Berufsperspektiven für geflüchtete Frauen

An kreativen Ideen bei der Integration Geflüchteter in Arbeit und Ausbildung herrscht in Nordrhein-Westfalen offensichtlich kein Mangel. Im münsterländischen Havixbeck zum Beispiel begleiten  ehrenamtliche Patinnen und Paten Einzelpersonen oder Familien. Das reicht von Willkommensbesuchen und monatlichen Café-Treffs über Basis-Sprachkurse bis hin zur Einmündung in eine Ausbildung. Unterstützt wird die Arbeit der Ehrenamtlichen vom Familienbüro der Gemeinde. Ein erfolgreiches Projekt, wie Ahmad Khalifa beweist, der nach einer einjährigen Einstiegsqualifizierung jetzt seine Ausbildung als Mechatroniker beginnt.

Originell auch ein Projekt aus Bochum: Die Herausgabe einer Zeitung, deren Texte ausschließlich von Flüchtlingen geschrieben sind. Verfasst werden die Texte über deren Erfahrungen in ihren Heimatländern, auf der Flucht oder ihre Erlebnisse in Deutschland in der Regel auf Deutsch. Einzelne, auf Arabisch geschriebene Texte werden im Team übersetzt. Das trägt zugleich zum Deutschlernen bei. Mittlerweile wurde „Neu in Deutschland. Zeitung über Flucht, Liebe und das Leben“ mit dem „Deutschen Lesepreis“ der Stiftung Lesen und der Commerzbank-Stiftung ausgezeichnet.

Weil beim Thema berufliche Integration, Ausbildung und Studium bisher eher junge männliche Flüchtlinge im Zentrum der Aufmerksamkeit stehen, möchte eine Dortmunder Projektgruppe die Chancen gut qualifizierter geflüchteter Frauen auf dem Arbeitsmarkt verbessern. Dazu hospitieren sie für etwa sechs Monate in Dortmunder Unternehmen oder Organisationen und werden dabei von innerbetrieblichen Mentorinnen oder Mentoren begleitet. „15 Unternehmen machen bereits mit“, sagt Dr. Monika Goldmann vom Dortmunder Forum Frau und Wirtschaft e.V., „doch die Zahl der beteiligten Betriebe steigt.“ Profitiert hat vom Projekt auch Nour Taleb, Umweltingenieurin aus Syrien, ein Land, in dem die Hälfte derjenigen, die ein Studium absolvieren, Frauen sind. Die Hospitation in einem Unternehmen sieht Nour Taleb als unabdingbar an: „Nur so kann ich auch die deutsche Fachsprache lernen und meine in Syrien erworbenen Qualifikationen den Anforderungen anpassen, die der deutsche Arbeitsmarkt stellt.“

"Profis für Integration"

Integration, zog Arbeits- und Integrationsminister Rainer Schmeltzer zum Schluss der Veranstaltung eine persönliche Bilanz, ist machbar! Sein eingangs abgegebenes Statement von NRW als starkem Integrationsland sah er durch die vorgestellten Beispiele bestätigt.
Er dankte der G.I.B. sowie allen an der Integration beteiligten Unternehmen und Organisationen für ihr Engagement und zollte ihnen „meinen Respekt und meinen herzlichen Dank.“ Trotz aller Erfolge mahnte er aber auch vor überzogenen Erwartungen: „Integration ist oft ein langer Weg. Hier geht es nicht um die Fachkräfte von heute oder morgen, sondern von übermorgen.“
Sein letztes - anerkennendes - Wort aber galt den ehrenamtlich tätigen Menschen: „Sie sind die Profis für Integration!“

 

Relevante

Pressemitteilungen

Weiteres

zum Thema