Übergang Schule-Beruf - Zwischenbilanz der Landesregierung

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Kein Abschluss ohne Anschluss - Gruppenbild, im Vordergrund: V.l. Schulministerin Sylvia Löhrmann, Ministerpräsidentin Hannelore kraft, Arbeitsminister Rainer Schmeltzer

Bundesweit beispielhaft. Zwischenbilanz zum Landesvorhaben „Kein Abschluss ohne Anschluss“

Veranstaltung der Landesregierung zum ESF-geförderten Landesvorhaben - Übergang Schule-Beruf für alle Jugendlichen landesweit verbessern

Nordrhein-Westfalen hat als erstes Flächenland in Deutschland ein verbindliches landesweites System für den reibungslosen Übergang von der Schule in den Beruf aufgebaut. Das Vorhaben "Kein Abschluss ohne Anschluss" ist einer der wichtigsten Bausteine der vorbeugenden Politik der Landesregierung und Teil der Bildungskette unter dem Leitmotiv „Kein Kind zurücklassen“. Bericht und Dokumentation zur Veranstaltung der Landesregierung.

Gemeinsame Veranstaltung der Landesregierung in Düsseldorf

Das Landesprogramm "Kein Abschluss ohne Anschluss" nimmt alle Schülerinnen und Schüler in den Blick und ermöglicht ihnen einen guten, zielgerichteten Start in Ausbildung oder Studium. Am 8. September 2016 präsentierten Ministerpräsidentin Hannelore Kraft, Arbeitsminister Rainer Schmeltzer und Schulministerin Sylvia Löhrmann im CCD Stadthalle Düsseldorf die Zwischenbilanz: Gleich in mehrerer Hinsicht erweist sich das Vorhaben schon heute als Erfolg - und auch die weiteren Aussichten sind bestens!

Gleich zu Beginn ihrer Rede im Düsseldorfer Congress Center stellte Ministerpräsidentin Hannelore Kraft klar, was NRW geleistet hat: Nordrhein-Westfalen hat als erstes Flächenland in Deutschland ein verbindliches landesweites System für den reibungslosen Übergang von der Schule in den Beruf aufgebaut. Damit ist "Kein Abschluss ohne Anschluss", so die Ministerpräsidentin, "einer der wichtigsten Bausteine der vorbeugenden Politik der Landesregierung und Teil der Bildungskette unter dem Leitmotiv Kein Kind zurücklassen".

Kompetenz und Herzblut

2012 in sieben Referenzkommunen gestartet, ist das Landesvorhaben heute in allen 53 Kreisen und kreisfreien Städten Nordrhein-Westfalens fest verankert. "Allein in der achten Jahrgangsstufe werden inzwischen jährlich rund 175.000 Schülerinnen und Schüler erreicht", konkretisierte Hannelore Kraft die Erfolge, und nannte zugleich eine weitere beeindruckende Zahl für die nahe Zukunft: "Bis Ende 2018/19 wird die Zahl der jährlich Teilnehmenden auf insgesamt weit über 500.000 angewachsen sein."

Doch nicht nur um Zahlen geht es, betonte die Ministerpräsidentin, sondern auch um Qualität. Konkret heißt das: Schon bald werden eine halbe Million Jugendliche ihre Fähigkeiten und Talente entdecken, über Praktika die Welt der Berufe kennen lernen und nach Abschluss der allgemeinbildenden Schule passende Anschlussmöglichkeiten finden können.
Wie gut „Kein Abschluss ohne Anschluss“ schon heute vor Ort wirkt, illustrierte Hannelore Kraft am Beispiel der Referenzkommunen, namentlich der Stadt Mülheim. Hier liegt die Jugendarbeitslosigkeit im SGB II heute bei rund zwei Prozent und damit deutlich unter dem Durchschnitt in Bund und Land - und das in einer Stadt mitten im Ruhrgebiet!  
Wesentlich zum Gelingen des "Mammutprogramms" beigetragen haben die beteiligten Akteure, "die Pioniere", wie die Ministerpräsidentin formulierte, die "mit Kompetenz und Herzblut" den ganzheitlichen Ansatz des Programms zum Erfolg geführt haben. Sie alle, darunter auch die Unternehmen, haben mit ihrem Engagement dafür gesorgt, so Hannelore Kraft, "dass wir Wort halten können." Ihren Dank an sie verband sie mit einem Appell: "Bleiben Sie dran! Machen Sie weiter mit!"

Verantwortungsgemeinschaft in den Kommunen

Wer genau diese Jugendlichen sind, die von "Kein Abschluss ohne Anschluss" profitieren sollen, veranschaulichte Dr. Gabriele Schambach von der „SINUS:akademie“. Die Wissenschaftlerin präsentierte Ergebnisse der aktuellen Studie ihres Instituts: "Wie ticken Jugendliche 2016?". Darin zeigt sich, wie unterschiedlich deren Lebenswelten und Werte sind.

Von den insgesamt sieben identifizierten Lebenswelten stellte Dr. Gabriele Schambach zwei genauer vor, die gegensätzlicher kaum sein könnten: die "konservativ-bürgerliche", definiert als "familien- und heimatorientierte Bodenständige mit Traditionsbewusstsein und Verantwortungsethik" und die "experimentalistischen Hedonisten", also die "spaß- und szeneorientierten Nonkonformisten mit Fokus auf Leben im Hier und Jetzt". Während - nur ein Beispiel - Jugendliche der ersten Gruppe vergleichsweise wenig speziell über neue Ausbildungsberufe wissen, spielt für die anderen die "Selbstentfaltung im Beruf" eine entscheidende Rolle. Zu fragen wäre, so die SINUS-Referentin, "welche Potenziale in den unterschiedlichen Lebenswelten liegen und wie diese Jugendlichen als Auszubildende die Unternehmen bereichern können." 

Ein Hinweis, den Sylvia Löhrmann, Ministerin für Schule und Weiterbildung, in der anschließenden Podiumsdiskussion sofort aufgriff und auf die "potenzialorientierte Arbeit" mit den Jugendlichen im Landesprogramm verwies, in die immer auch die Eltern der Jugendlichen einzubeziehen seien. Bezug auf die SINUS-Studie nahm auch Torsten Withake, Mitglied der Geschäftsführung der Regionaldirektion NRW der Bundesagentur für Arbeit. Er wusste aus dem Beratungsalltag seiner Einrichtung zu berichten, "dass sich in Folge von Kein Abschluss ohne Anschluss Jugendliche heute auch für Ausbildungsberufe interessieren, von denen sie früher nichts wussten oder wissen wollten".  

Durchgängig positiv bewertete auch Pit Clausen, Oberbürgermeister der Stadt Bielefeld das Programm. In seiner Funktion als Vorsitzender des Städtetags NRW hat er erfahren, dass in den Regionen unter kommunaler Koordinierung beim Übergang von der Schule in den Beruf "eine Verantwortungsgemeinschaft entstanden ist, die auf Vertrauen zwischen den Akteuren basiert". Die Idee von "Kein Abschluss ohne Anschluss" fand er "bestechend und genial". Eine Einschätzung, die er mit Dr. Hermann-Josef Tebroke, Landrat des Rheinisch-Bergischen Kreises, teilte. Er wünschte sich indes, bei der Weiterentwicklung des Landesprogramms "verstärkt auch regionale Besonderheiten zu berücksichtigen".

Alle Jugendlichen im Blick

Als "Win-win-Situation" bezeichnete Ralf Kersting, Präsident der IHK Nordrhein-Westfalen e.V., das Vorgehen beim Landesprogramm: Den Jugendlichen bieten sich mit den zigtausenden Berufsfelderkundungen und Praktika die Möglichkeit, die Vielfalt der rund 360 Ausbildungsberufe in Deutschland kennen zu lernen. Die Betriebe wiederum haben auf gleichem Wege die Chance, erste Kontakte zu ihren zukünftigen Auszubildenden zu knüpfen.

Dem stimmte Andreas Meyer-Lauber, Vorsitzender des DGB Bezirk Nordrhein-Westfalen, unumwunden zu. Gleichzeitig erinnerte er jedoch daran, dass auch in diesem Jahr nicht alle Jugendlichen nach Abschluss der allgemeinbildenden Schule einen Ausbildungsplatz gefunden haben. Hier, so der Gewerkschafter, müssten die Unternehmen mehr Verantwortung übernehmen.

Arbeitsminister Rainer Schmeltzer pflichtete ihm bei, konnte jedoch zugleich darauf hinweisen, dass in den Referenzkommunen die Zahl der abgeschlossenen Ausbildungsverträge gestiegen, die der unversorgten Bewerberinnen und Bewerber aber gesunken ist. Dennoch sagte auch er "Wir brauchen mehr Ausbildungsplätze" - und ergänzte: "zu ordentlichen Bedingungen". Damit sprach er zugleich das Thema Ausbildungs- und Studienabbrüche an. Hier aber sei Besserung in Sicht, denn: "Hier greift Kein Abschluss ohne Anschluss!". Gemeinsam mit Ministerin Sylvia Löhrmann forderte er zudem die Betriebe auf, auch Jugendliche in den Blick zu nehmen, "deren Zeugnis und Bewerbung nicht unbedingt glänzend ist". Denn das sei ja eins der charakteristischen Merkmale des Landesprogramms als zentralem Element der präventiven Arbeitsmarktpolitik des Landes: "Es gibt keine bildungspolitischen Sackgassen mehr!"

Ein lebendiges, lernendes System

Damit richtete der Minister den Blick zugleich auf die Zukunft und damit auf die Weiterentwicklung des Programms. "Kein Abschluss ohne Anschluss", so Rainer Schmeltzer, ist "kein starres, sondern ein lebendes, lernendes System". Mit ihm haben zum Beispiel auch junge Geflüchtete "ein wertvolles Angebot auf dem Weg zur Integration in Ausbildung und Arbeit." Einmal mehr warb er zudem nachdrücklich für die duale Ausbildung, die sich hinter dem Hochschulstudium nicht zu verstecken brauche: "Meister und Master sind oft gleich viel wert."
Die Weiterentwicklung des Programms, sein lernender Charakter, zeigt sich aber auch im Detail. So ließe sich etwa die Potenzialanalyse bei entsprechendem sonderpädagogischen Bedarf auch auf zwei Tage strecken.

Beim anschließenden Rundgang durch die Ausstellung mit Beispielen guter Praxis konnte sich die Ministerpräsidentin im Gespräch mit Jugendlichen und Akteuren aus den Regionen aus erster Hand davon überzeugen, wie weit - und gut - das Landesvorhaben bereits fortgeschritten ist. Das gilt für alle vier Handlungsfelder gleichermaßen: für die Stärkung der Studien- und Berufsorientierung, die Angebote im Übergang Schule-Beruf, die Attraktivitätssteigerung der dualen Berufsausbildung wie auch für die Kommunale Koordinierung.

In fünf Fachforen diskutierten abschließend die Gäste der Veranstaltung über Zwischenbilanz und Weiterentwicklung des Programms. Weitere Informationen zu den Foren:

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