"Jugend in Arbeit plus" in der Praxis - Interview mit Alexandra Bretschneider, Regionalagentur Emscher-Lippe

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Foto: Alexandra Bretschneider von der Regionalagentur Emscher-Lippe
Interview

"Jugend in Arbeit plus ist ein Gewinn für unsere Region!"

Akteure berichten aus der Praxis - Interview mit Alexandra Bretschneider, Beraterin bei der Regionalagentur Emscher-Lippe

Regionalagenturen koordinieren das ESF-geförderte Programm "Jugend in Arbeit plus" vor Ort und gestalten gemeinsam mit den Beraterinnen und Beratern, den Kammerfachkräften sowie Vertreterinnen und Vertretern aus Wirtschaft, Kommunen und Agenturen für Arbeit und Jobcentern das regionale Netzwerk. Alexandra Bretschneider ist Mitarbeiterin der Regionalagentur Emscher-Lippe. Im Interview erläutert die Beraterin die Erfahrungen aus der Region.

ARBEIT.NRW:

Frau Bretschneider, welche Funktion haben die Regionalagenturen im Rahmen des Landesprogramms Jugend in Arbeit plus?

Alexandra Bretschneider:

Als Regionalagentur betreuen wir alle Landesprogramme, organisieren die Runden Tische und vernetzen die regionalen Akteure. Im Rahmen von Jugend in Arbeit plus bin ich Ansprechpartnerin sowohl für die Beraterinnen und Berater wie auch für die Kammerfachkräfte. Ich organisiere die regionale Öffentlichkeitsarbeit und erstelle auf der Basis eines eigenen Monitorings eine Analyse der Vermittlungs- und Zuweisungszahlen, deren Ergebnisse ich monatlich an alle Partner versende. Enge Kooperationen bestehen darüber hinaus mit der Agentur für Arbeit, dem Jobcenter, der Bezirksregierung, der G.I.B. und dem Arbeitsministerium NRW. Intensive Kommunikation unter allen Netzwerkpartnern ist also jederzeit gewährleistet.

ARBEIT.NRW:

Welche Bedeutung hat "Jugend in Arbeit plus" grundsätzlich für Ihre Region?

Alexandra Bretschneider:

JA plus ist ein Gewinn für unsere Region, denn die Jugendarbeitslosigkeit ist hier überdurchschnittlich hoch. JA plus  ist ein etabliertes Programm, das als notwendige und sinnvolle Ergänzung zu den Unterstützungsangeboten der SGB II- und III-Träger gesehen wird. Das Programm wird in der Emscher-Lippe-Region flächendeckend an vierzehn Standorten angeboten. In elf Städten befindet sich eine direkte Anlaufstelle. Durchschnittlich werden durch die Agenturen für Arbeit und die Jobcenter 225 Personen im Quartal zugewiesen und davon münden rund 80 Prozent in das Programm ein. Die Vermittlungsquote liegt bei ca. 40 bis 45 Prozent, das ist für die Emscher-Lippe-Region mit ihrer schwachen Arbeitsmarktstruktur ein ausgezeichnetes Resultat.

ARBEIT.NRW:

Was macht nach Ihrer Ansicht Jugend in Arbeit plus so erfolgreich?

Alexandra Bretschneider:

Jugend in Arbeit plus ist vor allem aufgrund der engen und vertrauensvollen Zusammenarbeit aller Netzwerkpartner ein hervorragendes Vermittlungsinstrument. Die intensive Absprache mit den zuweisenden Stellen und den Kammern, die individuelle, ganzheitliche Beratung, die ein auf jeden konkreten Fall angepasstes Vorgehen ermöglicht, ist ein großer Vorteil. Auch das große Engagement der beteiligten Partner, die das Programm seit Jahren durchführen, ist ein entscheidender Faktor für die hohe Qualität von JA plus.

Zudem zeichnet sich das Programm durch große Flexibilität aus. Jugend in Arbeit plus ist ein Vermittlungsprogramm in sozialversicherungspflichtige Beschäftigung. In Ausnahmefällen können die Jugendlichen aber auch in eine Ausbildung vermittelt werden. Diese – eher seltenen Fälle – sind oftmals bei der Zuweisung des Jugendlichen nicht voraussehbar und ergeben sich dann erst durch die individuelle Beratung.

Ein anderes Beispiel: In den letzten Jahren hat sich die Sozialstruktur der Teilnehmenden geändert. Die Zahl der Jugendlichen mit psychischen Problemen, aus prekären Familienverhältnissen oder die  Erfahrungen mit Schulden, Drogen und Straftaten gemacht haben, hat zugenommen – alles Probleme, die erst geklärt werden müssen, bevor an eine Vermittlung überhaupt zu denken ist. Hier ist JA plus ein Programm, das sich den veränderten Rahmenbedingungen anpassen kann und Jugendliche dort abholt, wo sie stehen. Attraktiv ist das Programm nicht zuletzt, weil es ein Beratungsangebot ist, das parallel zu Angeboten der Arbeitsverwaltung läuft, so dass auch Jugendliche teilnehmen können, die sich in einer Maßnahme befinden.

ARBEIT.NRW:

Wie bewerten Sie die Workshops beim Austauschtreffen? Gab es neue Erkenntnisse oder Anregungen?

Alexandra Bretschneider:

Die Workshops bei den Austauschtreffen bieten die Möglichkeit, das gebündelte Wissen von Beraterinnen und Beratern, Kammerfachkräften und Regionalagenturen auszutauschen, deren spezifische Erfahrungen kennen zu lernen und sie in den Arbeitskreisen weiter zu entwickeln. Was auf regionaler Ebene positive Selbstverständlichkeiten sind, gab es hier interdisziplinär und auch überregional.

Spürbar waren vor allem das große Engagement und die enorm hohe Identifikation mit dem Programm. Ich habe früher selbst bei einem Träger gearbeitet und weiß: Wenn man sich mit einem Angebot identifizieren kann, wirkt sich das positiv auf die Beratung aus.

Aber auch das wird bei den Austauschtreffen und den Workshops unserer Arbeitskreise deutlich: So flexibel das Programm ist, an einzelnen Stellen lässt sich etwas reformieren. So wie sich die Jugendlichen, die Strukturen, aber auch das Programm selbst verändert haben, lässt sich auch zukünftig an der einen oder anderen Stellschraube drehen, um das Programm zeitgemäßer zu machen.