Interview Andreas Weidner

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Foto: Geschäftsführer des Unternehmens Weidner Wassertechnik
Interview

„Dank der Verbundausbildung haben wir in unserem Unternehmen einen hohen Ausbildungsgrad“

Interview mit Andreas Weidner, Geschäftsführer der Weidner Wassertechnik GmbH in Herten, über seine Erfahrungen mit der Verbundausbildung

Andreas Weidner bildet in seinem Unternehmen zum sechsten Mal im Verbundmodell aus - und hat durchweg positive Erfahrungen gemacht. Angefangen hat alles mit zwei jungen Hauptschülern, die in seinem Betrieb eine erfolgreiche Ausbildung als Anwendungsprogrammierer absolvierten.

ARBEIT.NRW:

Herr Weidner, Sie nutzen die Verbundausbildung sehr aktiv. Warum?

Andreas Weidner:

Unser Unternehmen ist zu klein und zu speziell aufgestellt, als dass wir für die einzelnen Berufe die Ausbildungen in der geforderten Breite und Tiefe anbieten könnten. Inzwischen bilden wir aber zum sechsten Mal im Verbund aus. Demnächst werden zwei weitere Auszubildende dazukommen, die wir ebenfalls im Verbund ausbilden werden.

Von der Möglichkeit, im Verbund ausbilden zu können, bin ich einfach begeistert. So können wir auch als kleineres Unternehmen in anspruchsvollen technischen Berufen qualifiziert ausbilden und damit unseren Personalbedarf decken. Ich finde das großartig. Die Zusammenarbeit mit allen beteiligten Stellen funktioniert reibungslos und wir hatten bislang auch keine Probleme, Kooperationspartner zu finden. Dank der Verbundausbildung haben wir hier einen hohen Ausbildungsgrad. Alle Auszubildenden wollen wir auch übernehmen. Zudem: Ausbilden macht mir Spaß.

ARBEIT.NRW:

Bei der aktuellen Ausbildung zur Chemielaborantin kooperieren Sie mit einem großen Chemiekonzern. Wie kam es dazu?

Andreas Weidner:

Die Rütgers Gruppe am Standort Castrop-Rauxel haben wir als Kooperationspartner über die IHK gefunden. Sie haben dort eine Datenbank mit entsprechenden Unternehmen und so haben wir Kontakt hergestellt. Der Verbund läuft gut, die Absprachen funktionieren, bei Rütgers sind sie erfahren und wissen, was sie tun.

In der Ausbildung ergänzen wir uns sinnvoll. Im Labor sind wir beispielsweise nicht so breit aufgestellt und können keine organischen Analysen machen wie in der Lehrwerkstatt von Rütgers. Dort lernen die Auszubildenden auch Produktionsprozesse in großindustriellen Anlagen kennen. Bei uns erleben sie dagegen die reale Arbeitswelt sehr direkt und arbeiten von Anfang an beim Kunden mit.

Unsere Verbundausbildungen haben sich bisher immer als ganz glückliche Kombination erwiesen und das Feedback der Auszubildenden bestätigt das.

Die Verbundausbildung zieht sich wie ein roter Faden durch unser Unternehmen. So haben wir zum Mechatroniker, jetzt zum zweiten Mal zum Chemielaboranten ausgebildet, demnächst kommt ein technischer Zeichner hinzu und ein weiterer Auszubildender für das Labor.

ARBEIT.NRW:

Wann haben Sie mit der Verbundausbildung überhaupt begonnen? Welche Berufe haben Sie bislang ausgebildet?

Andreas Weidner:

Die erste Verbundausbildung liegt schon einige Jahre zurück. Damals hatte ich zwei Praktikanten von der Hauptschule, die sich als sehr pfiffig erwiesen. Nachdem beide keinen Ausbildungsplatz gefunden hatten, waren sie wirklich sehr geknickt. Denn für Hauptschüler ist es schon schwer, in einem, sage ich mal, anspruchsvollen Beruf einen Ausbildungsplatz zu bekommen. Bis dahin hatte ich noch gar nicht ausgebildet, wollte den beiden aber weiterhelfen. Als die beiden dann an einem Nachmittag bei mir saßen, rief ich spontan bei der IHK an. Dort war gleich ein kompetenter Berater am Telefon, der mir eine Verbundausbildung vorschlug. Am Ende hatten die beiden Jugendlichen einen Ausbildungsplatz als Anwendungsprogrammierer bei mir. Und ein befreundetes Unternehmen war bereit, als Kooperationspartner in der Ausbildung mitzuwirken.

Also, diese beiden jungen Leute waren meine ersten Lehrlinge überhaupt und sie haben ihre Ausbildung hier erfolgreich abgeschlossen. Der eine ist immer noch bei mir, der andere lebt inzwischen in Leipzig und ist ein ziemlich genialer Programmierer für php-Anwendungen in der Open Source-Szene geworden.

Seither zieht sich die Verbundausbildung wie ein roter Faden durch unser Unternehmen. So haben wir zum Mechatroniker, jetzt zum zweiten Mal zum Chemielaboranten ausgebildet, demnächst kommt ein technischer Zeichner hinzu und ein weiterer Auszubildender für das Labor.

Mit der Verbundausbildung habe ich durchweg positive Erfahrungen gemacht. Es ist nur schade, wenn andere Unternehmen, die nicht ausbilden, unsere Leute abwerben.