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Teilhabe am Arbeitsleben. Menschen mit Behinderung erfolgreich beschäftigen

Integrationsbetrieb der IN VIA Köln gGmbH - Teilhabe auch wirtschaftlich erfolgreich umsetzen

Trotz ihres gemeinnützigen Zwecks: Integrationsbetriebe müssen sich eigenständig am Markt behaupten. Beim Integrationsbetrieb "mattea" der IN VIA Köln gGmbH gelingt das erfolgreich. Drei Dienstleistungen sind hier unter einem Dach: Restaurant, Catering und Schulverpflegung. In allen Bereichen arbeiten Menschen mit Behinderung.

Restaurant, Catering, Schulverpflegung: Ein Integrationsbetrieb der IN VIA Köln gGmbH

Restaurant & Lounge "mattea" ist ein gemeinnütziger Integrationsbetrieb der IN VIA Köln gGmbH mit Standort im „Forum“, dem zentralen Kultur- und Veranstaltungszentrum der Stadt Leverkusen. Hier und in den ebenfalls zum Integrationsbetrieb zählenden Bereichen „Catering“ und „Schulverpflegung“ arbeiten 37 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte, darunter 17 Menschen mit einer Hör-, Lern- oder Körperbehinderung. Gefördert wird der Integrationsbetrieb unter anderem über das Landesprogramm „Integration unternehmen!“.

Trotz ihres gemeinnützigen Zwecks: Integrationsbetriebe müssen sich eigenständig am Markt behaupten. Zuschüsse, die ihnen im Wettbewerb Marktvorteile verschaffen, erhalten sie nicht. Also brauchen sie ein betriebswirtschaftlich einwandfrei funktionierendes Konzept. Das ist beim Integrationsbetrieb der IN VIA Köln gGmbH der Fall.

Drei Sparten umfasst das Geschäftsmodell: das Restaurant „mattea“, das exklusive Catering für alle Veranstaltungen im Leverkusener Kulturforum sowie eine Produktionsküche für die Schulverpflegung. Unter den 37 sozialversicherungspflichtig Beschäftigten sind 17 Menschen mit einer Hör-, Lern- oder Körperbehinderung im Alter von 20 bis über 50 Jahren. „Als Ausgleich für den besonderen Aufwand bei der Beschäftigung behinderter Menschen“, so Melanie Glücks vom Integrationsamt des Landschaftsverbands Rheinland, „bezuschussen wir die laufenden Personalkosten.“ Das Land NRW hingegen fördert über das Programm „Integration unternehmen!“ ausschließlich investive Ausgaben wie etwa die für eine moderne Küchenausstattung oder die Möblierung des Restaurants.

Diversifiziertes Geschäftsmodell

Zentrum des Integrationsbetriebs ist das Restaurant „mattea“. Der Name kommt aus dem Lateinischen und heißt „Leckerbissen“. Kundinnen und Kunden zeigen sich mit dem erstklassigen Angebot hochzufrieden, das neben der Mittags- und Abendgastronomie auch einen Sonntagsbrunch für Familien umfasst. Jens Valentin von der Stabsstelle Marketing & Vertrieb der IN VIA gGmbH: „Unser Restaurant verfügt über eine große Spielecke. Kinder sind also bestens beschäftigt, während ihre Eltern in Ruhe essen und trinken. Außerdem gibt es bis zum Alter von 14 Jahren einen Kinderrabatt und Kinder bis zum 6. Lebensjahr speisen gratis.“ Darüber hinaus können Kunden einen kleinen Raum mit angenehmem Ambiente für private Feiern mieten. Eine Extra-Raummiete wird nicht erhoben. Jens Valentin: „Zu bezahlen sind lediglich Speisen und Getränke.“

Das vorzügliche Angebot von „mattea“ korrespondiert mit der exzellenten Lage des Restaurants im „Forum“, dem Kultur- und Tagungszentrum der Stadt Leverkusen, das außer einem Theater mit fast tausend Plätzen Räumlichkeiten für Messen, Ausstellungen und Versammlungen von Unternehmen, Organisationen und Vereinen bietet. Für alle der rund 250 jährlich stattfindenden Veranstaltungen mit insgesamt mehr als 170.000 Gästen hat „mattea“ die exklusiven Catering-Rechte, übernimmt das Restaurant die komplette gastronomische Versorgung. Nicht minder attraktiv für Kunden ist, neben Restaurant und Catering, das dritte Standbein des Integrationsbetriebs: die Großküche zur Produktion der Schulverpflegung.

Teilhabe am Arbeitsmarkt

In allen drei Geschäftsfeldern des Integrationsbetriebs arbeiten Menschen mit einer Hör-, Lern- oder Körperbehinderung: als Koch, Beikoch oder Hauswirtschaftlerin, als Service-, Spül- oder Reinigungskraft, als Küchenhilfe oder in der Verwaltung. Drei von ihnen absolvieren hier eine Fachpraktiker-Ausbildung. „Damit“, darauf legt Betriebsleiter Daniel Hargarten-Wierich besonderen Wert, „ermöglicht ihnen der Integrationsbetrieb trotz ihres Handicaps die gleichberechtigte Teilhabe am Arbeitsmarkt.“

Die Personalauswahl erfolgt im engen Dialog mit dem Integrationsfachdienst, dem Landschaftsverband Rheinland und der örtlichen Arbeitsagentur.

Die Personalauswahl erfolgt im engen Dialog mit dem Integrationsfachdienst, dem Landschaftsverband Rheinland und der örtlichen Arbeitsagentur. Durch eine Arbeitserprobung wird für jeden Mitarbeiter festgestellt, ob ihn die jeweilige Tätigkeit interessiert, ob er den dazu erforderlichen theoretischen und praktischen Arbeitsanforderungen sowie den Belastungen gewachsen ist. Daniel Hargarten-Wierich: „So können wir im Interesse des Betriebs sowie der persönlichen Voraussetzungen einer Bewerberin oder eines Bewerbers entscheiden, wer für einen 4-, einen 6- oder einen 8-Stunden-Tag in Frage kommt.“

Für die psychosoziale Betreuung der behinderten Beschäftigten im Arbeitsalltag ist Rita Eschbach zuständig, pädagogische Fachkraft des In Via Köln e.V.. Die Sozialpädagogin blickt auf langjährige Rehabilitations-Erfahrungen zurück und ist zuständig für die berufliche Integration von Menschen mit Behinderung. Wichtig ist ihr dabei die Ressourcenorientierung, das heißt: „Immer auch auf die Stärken jedes und jeder Einzelnen zu achten.“ Damit steht sie im Integrationsbetrieb nicht allein: „Auch die Anleiter in der Küche sind darauf eingestellt, Menschen mit Behinderung einzubinden und ihnen bei Bedarf Hilfestellung zu geben.“

Professionelle Jobassistenz

Rita Eschbachs Aufgabe ist das tägliche „Jobcoaching“, die „Arbeitsassistenz“. Konkret heißt das, Arbeitsprozesse genau zu beobachten, um zu erkennen, wie sie sich mit Blick auf die Erfordernisse behinderter Beschäftigter optimieren lassen. Für eine Mitarbeiterin mit autistischer Erkrankung kommt es zum Beispiel darauf an, Arbeit klar zu strukturieren: „Die Arbeitsanweisungen dürfen nicht zu viele Informationen auf einmal umfassen und der Anteil der Routine sollte so groß wie möglich sein. Ein einfaches Schubladensystem mit übersichtlicher Verteilung der Zutaten für ein Rezept sorgt in der Küche für die erforderliche Transparenz.“

Brandschutzmaßnahmen wie etwa spezielle Lichtsignale für gehörlose Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind im Integrationsbetrieb genauso selbstverständlich wie ein eigenes PC-Programm mit Lupe und Blindentastatur für Beschäftigte mit Sehbeeinträchtigung. Spezielle Lösungen auch für eine lernbeeinträchtigte Mitarbeiterin mit Konzentrationsproblemen und Rechenschwäche: Sie wurde mit Taschenrechner und eigenem Trinkgeld-Portemonnaie ausgestattet. Zudem trainiert Rita Eschbach mit ihr das Zählen von Kleingeld. Ihre anfängliche Schüchternheit konnten kleine Rollenspiele mit der Sozialpädagogin minimieren: „Heute geht sie fast genauso souverän auf Gäste zu wie unsere anderen Mitarbeiter auch.“

Nachgedacht wird über fachliche Fortbildungen: Hygieneschulungen mit Gebärde-Dolmetscher zählen genauso dazu wie die Vorbereitung einer gehörlosen Mitarbeiterin auf ihre Ausbildereignungsprüfung.

Aber auch über fachliche Fortbildungen denkt das Unternehmen nach: Klassische Hygieneschulungen inklusive Gebärde-Dolmetscher für gehörlose Mitarbeiter zählen genauso dazu wie die Vorbereitung einer ebenfalls gehörlosen Mitarbeiterin auf ihre Ausbildereignungsprüfung. Rita Eschbach: „Sie verfügt über fachliche und pädagogische Fähigkeiten. Diese Kompetenz wollen wir für unseren Betrieb zukünftig besser nutzen.“

Strategische Überlegungen

Weil sich auch Integrationsbetriebe den Marktanforderungen stellen müssen, denkt Jens Valentin von der Stabsstelle Marketing & Vertrieb der IN VIA Köln gGmbH über neue Geschäftsfelder nach. So könnten im Restaurant „mattea“ zukünftig auch private Feste, wie Taufen, Kommunions-, Konfirmations- und Weihnachtsfeiern stattfinden, aber auch Kulturveranstaltungen und „Tagungen im Businessbereich“. Einen „riesigen Markt“ sieht der Marketing-Chef für den Integrationsbetrieb auch im „Außer-Haus-Catering bei Großveranstaltungen“: „Hier verfügen wir über fundierte Erfahrungen, die Kundenresonanz ist durchweg positiv.“ Die Kapazitäten für eine Ausweitung dieses Geschäftszweigs sind im Integrationsbetrieb vorhanden. Das gilt für die materielle Ausstattung wie auch für das Personal. „Beides zusammen“, verspricht der Marketing-Chef, „garantiert beste Dienstleistungsqualität.“

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