Gute Praxis in Ibbenbüren

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Foto: Gruppenfoto Arbeitslosenzentrum Ibbenbüren

Individuelle Hilfe und gute Kooperation. Unterstützung für arbeitslose Menschen

Arbeitslosenzentrum und Erwerbslosenberatungsstelle in Ibbenbüren/Kreis Steinfurt

Arbeitslosenzentrum und Erwerbslosenberatungsstelle befinden sich in Ibbenbüren/Kreis Steinfurt unter einem Dach. Träger ist der Förderkreis für Ausländer-, Integrations- und Bildungsarbeit e.V.. Der gemeinnützige Verein betreibt das gemeinsame Begegnungszentrum Ibbenbüren, in dem die beiden Beratungseinrichtungen untergebracht sind.

Gute Praxis im Kreis Steinfurt - Arbeitslosenzentrum und Erwerbslosenberatungsstelle in Ibbenbüren

Früher auf zwei Träger verteilt, befinden sich Arbeitslosenzentrum und Erwerbslosenberatungsstelle in Ibbenbüren heute im Begegnungszentrum für Ausländer und Deutsche e.V. unter einem Dach. Träger der Einrichtung ist der Förderkreis für Ausländer-, Integrations- und Bildungsarbeit e.V., ein gemeinnütziger Verein. Gefördert werden Arbeitslosenzentrum und Erwerbslosenberatungsstelle mit Mitteln des Landes Nordrhein-Westfalen und des Europäischen Sozialfonds (ESF).

Vielen scheint die Lage hoffnungslos, weiß Anne Lahrmann, stellvertretende Geschäftsführerin im Begegnungszentrum Ibbenbüren: „Arbeitslose und von Arbeitslosigkeit bedrohte Beschäftigte wissen oft nicht, wie es weitergeht. Sie machen sich Sorgen um die Existenzsicherung ihrer Familie und suchen zugleich eine neue berufliche Orientierung.“

Arbeitslosenzentrum: Individuelle Hilfe

Professionelle und individuelle Antworten auf ihre Fragen finden diese Menschen im Begegnungszentrum. Das hier angesiedelte Arbeitslosenzentrum etwa bietet ihnen die Möglichkeit, soziale Kontakte zu knüpfen und so einer drohenden Vereinsamung vorzubeugen. Hier können sie die Cafeteria mit ihren Produkten zu günstigen Preisen besuchen, können - selbständig oder mit Unterstützung - das Internet zur Stellensuche nutzen oder am Computer ihre Bewerbungsunterlagen erstellen.

Bei der Begleitung der Arbeitsuchenden wie auch der von Arbeitslosigkeit bedrohten Menschen ist nach Überzeugung von Anne Lahrmann eine „sehr individuelle Herangehensweise“ gefragt: „Ziel ist die Stabilisierung der eigenen, persönlichen und wirtschaftlichen Perspektiven, aber auch die eigenverantwortliche Wahrnehmung individueller Interessen im gesellschaftlichen Kontext.“

Workshops, Diskussionsrunden und Informationsveranstaltungen mit externen Fachleuten komplettieren das Angebot des Arbeitslosenzentrums. Das Spektrum der Themen wie auch das der eingeladenen Expertinnen und Experten ist breit gestreut. Mal berichtet eine Vertreterin des Jobcenters über Arbeit und Angebot ihrer Einrichtung, mal informiert ein Vertreter der Verbraucherberatung über Chancen, der Schuldenfalle zu entkommen. Anne Lahrmann: „Viele Arbeitslose haben Handyschulden, können ihre Energiekosten nicht mehr tragen oder sind auf scheinbar günstige Abo-Angebote hereingefallen und können jetzt ihre Ratenzahlungen nicht mehr tilgen. Nicht wenige haben nie gelernt, mit Geld umzugehen. Ihnen gibt das Arbeitslosenzentrum nützliche Hinweise für ein anderes Konsumverhalten.“

Erwerbslosenberatungsstelle: Gute Kooperation

Während sich das Arbeitslosenzentrum mit seinem niedrigschwelligen Angebot auf die Erstberatung konzentriert, bietet die Erwerbslosenberatungsstelle eine weitaus intensivere Beratung an. Sie richtet sich an Beziehende von Arbeitslosengeld I und II sowie an Erwerbslose ohne Leistungsanspruch nach dem Sozialgesetzbuch, aber auch an von Arbeitslosigkeit Bedrohte, an Berufsrückkehrende oder Beschäftigte mit aufstockendem Arbeitslosengeld-II-Bezug.

In der Erwerbslosenberatungsstelle helfen Betriebswirtin Anne Lahrmann und Sozialarbeiter Selcuk Özdemir beim Lesen und Verstehen von Behördenbriefen oder beim Ausfüllen der Anträge von Arbeitslosen-, Wohn- und Kindergeld. Sie überprüfen Bewilligungsbescheide und unterstützen Ratsuchende bei Widerspruchsverfahren. Zugleich übernehmen sie eine Lotsenfunktion bei psychosozialen Problemen und vermitteln bei speziellen Fragen zum Arbeits-, Vertrags- und Mietrecht zu professionellen Beratungsstellen oder medizinischen Einrichtungen.

Etwa acht Fälle intensiver Beratung verzeichnet die Erwerbslosenberatungsstelle täglich. Hinzu kommt eine Vielzahl an telefonischen Anfragen. Die stellvertretende Geschäftsführerin: „Nicht selten suchen wir auf Wunsch der Ratsuchenden auch nach geeigneten Weiterbildungsmöglichkeiten oder Integrationsmaßnahmen, unterstützen sie bei ihrer Berufswegeplanung und der Arbeitssuche oder helfen Migrantinnen und Migranten bei der Anerkennung ihrer Schul- und Berufsabschlüsse.“

Als vorteilhaft im Arbeitsalltag erweist sich die unkomplizierte Kooperation mit dem örtlichen Jobcenter: „Wenn es zu Missverständnissen oder Konflikten zwischen Arbeitslosen und Jobcenter kommt, können wir uns auch mal ganz unbürokratisch einschalten und mit ein, zwei Anrufen das Problem lösen. Im Kreis Steinfurt, zu dem Ibbenbüren gehört, werden wir bei Anrufen nicht wie bei einigen anderen Jobcentern an ein Callcenter weitergeleitet, sondern können über eine Durchwahl direkt Kontakt aufnehmen zum zuständigen Sachbearbeiter oder der zuständigen Sachbearbeiterin.“

Interne und externe Vernetzung

Mit geschätzten 70 Prozent ist der Anteil von Menschen mit Migrationshintergrund an den Ratsuchenden ungewöhnlich hoch. Besonders nützlich für die Arbeit des Arbeitslosenzentrums wie auch der Erwerbslosenberatungsstelle sind deshalb die ebenfalls im Begegnungszentrum ansässigen Einrichtungen der Migrationsberatung, des Beratungsbüros für interkulturelle Kommunikation sowie der Beratung für Asylsuchende und Flüchtlinge. Die partielle personelle Überschneidung - ein Mitarbeiter arbeitet mit jeweils einer Teilstelle in der Migrationsberatung wie auch in der Erwerbslosenberatungsstelle - ist dabei ein zusätzlicher Vorteil.

Zugute kommt Ratsuchenden und hier vor allem den Migrantinnen und Migranten ohne abgeschlossene Berufsausbildung das vom Begegnungszentrum über die Jahre aufgebaute Netzwerk zu Unternehmen, darunter auch Zeitarbeitsfirmen. In nicht wenigen Fällen umfasst das Dienstleistungsangebot von Arbeitslosenzentrum und Erwerbslosenberatungsstelle deshalb auch die unmittelbare Vermittlung Arbeitsloser in den Arbeitsmarkt.

Als gute Einstiegsmöglichkeit für Langzeitarbeitslose in einen strukturierten Tagesablauf wertet Anne Lahrmann zudem die Arbeitsgelegenheiten, die im Begegnungszentrum selbst zur Verfügung stehen: „In unseren Holz-, Kreativ- und Nähwerkstätten erfahren Langzeitarbeitslose jeden Alters so wieder die Bedeutung einer Tagesstruktur und lernen, die Regeln des Arbeitsmarkts wie etwa das korrekte Abmelden im Krankheitsfall zu beachten.“

Eine zunehmend wichtige Rolle im Kooperationsgefüge von Arbeitslosenzentrum und Erwerbslosenberatungsstelle nimmt der ebenfalls im Begegnungszentrum angesiedelte „Runde Tisch“ ein, der sich intensiv mit dem Thema „Flüchtlinge“ befasst. Die stellvertretende Geschäftsführerin: „Irgendwann werden die Menschen, deren Asylanträge positiv beschieden sind, auch zur Zielgruppe unserer Arbeit zählen. Da ist es nützlich, dass sie unser Haus mit all seinen Angeboten bereits kennen und wissen, dass sie im Arbeitslosenzentrum und in der Erwerbslosenberatungsstelle kompetente Ansprechpartner finden. So geht kein Mensch verloren.“

Bedeutung für den „Sozialraum Stadt“

Arbeit und Erfolg der beiden Einrichtungen werden von den politisch Verantwortlichen in der 51.000 Einwohnerinnen und Einwohner zählenden Stadt hoch geschätzt. Bürgermeister Heinz Steingröver wertet Arbeitslosenzentrum und Erwerbslosenberatungsstelle als „wertvolle Anlaufstellen für arbeitslose Menschen. Hier erhalten sie nützliche Hinweise, wie sie ihr Leben gestalten und in den Arbeitsmarkt zurückfinden können. Wir freuen uns, dass die beiden auch von uns finanziell unterstützten Einrichtungen vom Land NRW gefördert werden.“

Nicht nur für die einzelnen Arbeitslosen, sondern für den gesamten Sozialraum Stadt sind Arbeitslosenzentrum und Erwerbslosenberatungsstelle in den Augen des Bürgermeisters von hoher Bedeutung: „Auch wenn die Arbeitslosenquote in Ibbenbüren „nur“ bei rund vier Prozent liegt, so befinden sich darunter doch viele Langzeitarbeitslose mit besonderen Problemlagen, denen hier geholfen werden kann. Außerdem haben sich die beiden Einrichtungen im Verlauf der Jahre auch bei den Menschen mit Migrationshintergrund Vertrauen erworben. Sie wissen, dass sie hier verlässliche Ansprechpartner finden, die sich in die Lage von Menschen mit ganz unterschiedlichen Lebensläufen und sozialen Hintergründen hineindenken können. Das hat mit dazu beigetragen, dass es hier in der Stadt keine nennenswerten Konflikte gibt - und so soll es auch bleiben!“

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