Gute Praxis in Hamm

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Foto: Junger Mann mit Schutzbrille

"Im Beruf voll angekommen!" Ausbildung zum Recyclingwerker

Sichere Zukunft ermöglichen – Ausbildung in Firma für Kunststoff-Recycling

Über die Aktion "100 zusätzliche Ausbildungsplätze für Jugendliche und junge Erwachsene mit Behinderung in Nordrhein-Westfalen" bekam Thomas Finkennest eine zweite Chance und absolvierte beim Berufsförderungswerk Hamm die Ausbildung zum Recyclingwerker. Und das mit großem Erfolg.

Zukunft ermöglichen – Betriebliche Ausbildung zum Recyclingwerker

Nicht immer gelingen Wechsel so erfolgreich wie bei Thomas Finkennest. Nach einer Erkrankung musste der junge Mann seine Ausbildung im Garten- und Landschaftsbau abbrechen und sich beruflich umorientieren. Über die Aktion "100 zusätzliche Ausbildungsplätze für Jugendliche und junge Erwachsene mit Behinderung in Nordrhein-Westfalen" bekam er eine zweite Chance und absolvierte beim Berufsförderungswerk Hamm die Ausbildung zum Recyclingwerker. Und das mit großem Erfolg: 2011 wurde er als Kammerbester von der IHK Dortmund ausgezeichnet. Seinen Praktikumsbetrieb, die Firma Reiling Kunststoff-Recycling GmbH am Standort Hamm-Uentrop, überzeugte der junge Mann schon vorher und wurde direkt nach dem Abschluss übernommen. Sein Chef bescheinigt ihm viel Entwicklungspotential und will ihn weiterfördern. "Hier im Betrieb hat er eine sichere Zukunft."

Die Umorientierung war Thomas Finkennest nicht leicht gefallen. Im Garten- und Landschaftsbau zu arbeiten, das war sein Wunschberuf. Aber nach zwei Bandscheibenvorfällen und einer Operation war klar, dass daraus nichts werden würde. Die Reha-Beratung der Agentur für Arbeit verwies ihn daher an das Berufsförderung Hamm (BFW), das sich als Ausbildungsträger an der aus  ESF- und Landesmitteln geförderten Aktion "100 zusätzliche Ausbildungsplätze" beteiligt.

BFW Hamm unterstützt bei der Berufswahl – engmaschige Betreuung

"Um sich auszuprobieren, haben wir Herrn Finkennest zunächst in verschiedenen Berufsfeldern hospitieren lassen. Bei den Recyclingwerkern gefiel es ihm am besten und so hat er schließlich diese Ausbildung bei uns begonnen", berichtet Renate Gesch, Pädagogin und Reha-Beraterin beim BFW Hamm. Zusammen mit Jürgen Oesteroth, BFW-Ausbilder für die Recyclingwerker, haben die beiden Mitarbeiter im Reha-Fachteam die zweijährige Ausbildung begleitet, Praktika in unterschiedlichen Recycling-Bereichen organisiert und bei den Prüfungsvorbereitungen unterstützt. Zugleich haben sie dafür gesorgt, dass Thomas Finkennest den Gabelstapler-Führerschein machen konnte. Für seine Arbeit in der großen Werkhalle ist das heute von großem zusätzlichen Nutzen.

Die engmaschige Betreuung und gute Kooperation mit den Betrieben machen den Erfolg des Programms aus.

"Die engmaschige Betreuung und gute Kooperation mit den Betrieben machen den Erfolg des Programms aus", so die Erfahrung der beiden BFW-Mitarbeiter. Über die Aktion "100 zusätzliche Ausbildungsplätze" werden in Hamm derzeit 28 Jugendliche mit Handicap ausgebildet, die Übergangsquote in Arbeit ist relativ hoch. "Viele Teilnehmende brauchen während der Ausbildung immer wieder Ermutigung und neben der fachlichen auch persönliche Unterstützung, damit sie am Ball bleiben und die Ausbildung tatsächlich zu Ende bringen."

Angekommen im Beruf und im Betrieb

Thomas Finkennest ist inzwischen im Beruf und im Betrieb ‚voll angekommen‘. Am Firmenstandort Hamm-Uentrop ist er sogar der bislang einzige voll ausgebildete Recyclingwerker. In der hochmodernen Anlage, erst vor wenigen Jahren in Betrieb genommen, werden vor allem PET-Flaschen aus dem deutschen Pfandflaschensystem zu sogenannten Flocken oder Flakes verarbeitet und für die weitere Kunststoffproduktion aufbereitet.

An den Drei-Schicht-Betrieb hat sich der junge Mann schnell gewöhnt, im Betrieb fühlt er sich wohl, als Kollege und Mitarbeiter wird er geschätzt. "Hier hat man das Gefühl, dass man gebraucht wird. Das ist wichtig. Mal sehen, was die nächsten Jahre bringen", sagt er heute zuversichtlich.

Die Arbeitgeber sind informiert und wissen Bescheid.  So muss man nicht immer wieder das Handicap erklären.

Rückblickend ist Thomas Finkennest froh, dass er über das Programm nicht nur die Chance für eine neue Ausbildung bekam, sondern auch den passenden Betrieb gefunden hat. "Durch das Programm sind die Arbeitgeber informiert und wissen Bescheid. So muss man nicht immer wieder das Handicap erklären und gleich eine Absage befürchten. Das fand ich sehr erleichternd."

Über die guten Abschlussnoten und die Auszeichnung als Kammerbester hat er sich gefreut, für seinen Jobeinstieg war das aber nicht ausschlaggebend. Den Betrieb konnte er bereits während der Praxisphasen seiner Ausbildung überzeugen.

Mitarbeiter fördern – sichere Zukunft im Betrieb

Die Firma Reiling – eine Unternehmensgruppe aus dem ostwestfälischen Marienfeld, die auf das Recycling oder Wiederverwerten vor allem von Glas, Papier, Holz und Kunststoffen spezialisiert ist – beteiligte sich zum ersten Mal an dem Aktionsprogramm.

"Am neuen Standort in Hamm-Uentrop suchten wir damals Personal. Der Kontakt zum BFW war daher sehr hilfreich und wir haben als Kooperationsbetrieb gerne mitgemacht", erzählt Betriebsleiter Andreas Schragen. Schon während der mehrmonatigen Praxisphase im Rahmen der Ausbildung habe sich gezeigt, dass der junge Mann in den Betrieb passe und trotz der Rückenprobleme die Arbeit gut bewältigen könne. "Die praktische Erfahrung mit ihm war für uns viel entscheidender als seine zweifellos guten Abschlussnoten", begründet der Chef die rasche Übernahme in ein reguläres Arbeitsverhältnis.

Für seinen neuen Mitarbeiter sieht der Betriebsleiter noch einiges Entwicklungspotential und möchte ihn beruflich weiter fördern. "Seine Stärken sind sein organisatorisches Umsetzungsvermögen, die schnelle Auffassungsgabe und der unkomplizierte Umgang mit den Kollegen. Damit bringt er gute Voraussetzungen mit, um beruflich voranzukommen und sich weiter zu qualifizieren", betont Andreas Schragen. Auf jeden Fall steht so viel fest: "Hier im Betrieb hat Herr Finkennest eine sichere Zukunft."

Zur Info: Ausbildungsberuf Recyclingwerker oder Recyclingwerkerin

Recyclingwerkerin und Recyclingwerker ist ein Ausbildungsberuf für besondere Personengruppen und dauert zwei bis drei Jahre. Recyclingwerkerinnen und Recyclingwerker arbeiten z.B. bei Eingangskontrollen in Betrieben mit, die Abfall entsorgen. Sie nehmen Abfälle und nicht mehr benötigte Elektrogeräte, Maschinen oder Fahrzeuge an, sortieren und zerlegen diese. Dabei bedienen sie zum Beispiel Anlagen, mit welchen man Lasten transportieren und heben kann. Recyclingwerkerinnen und Recyclingwerker trennen die Materialien, die man wiederverwenden kann und die man entsorgen muss.

Recyclingwerkerinnen und Recyclingwerker arbeiten vor allem in Unternehmen, die Abfall entsorgen und finden zum Beispiel auch bei öffentlichen Recyclingbetrieben Arbeit. Diese Betriebe sind vor allem Recyclinghöfe, Müllsammelplätze oder Anlagen, die Glas, Papier und Biomüll entsorgen. (Quelle: Bundesagentur für Arbeit)

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