"Arbeit 2020: Faire Arbeit im digitalen Wandel" – Kongress eröffnet Dialog

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Minister Rainer Schmeltzer zeigt Flyer zum Online-Dialog Arbeit 4.0 - mit Moderatorin Steffi Neu auf der Bühne

Allianz "Wirtschaft und Arbeit 4.0": Landesregierung startet Dialog-Prozess zum Wandel der Arbeitswelt durch Digitalisierung und Vernetzung

Gemeinsame Auftaktveranstaltung von Arbeitsminister Rainer Schmeltzer, Wissenschaftsministerin Svenja Schulze und Wirtschaftsminister Garrelt Duin – Dialog-Portal arbeitviernull.nrw freigeschaltet

Faire Arbeit im digitalen Wandel gestalten – das geht nur gemeinsam und im Dialog. Die Landesregierung lud im Rahmen der Allianz "Wirtschaft und Arbeit 4.0" zum Kongress nach Neuss. Zusammen mit Akteuren und Experten aus Gewerkschaften, Unternehmen und Wissenschaft diskutierte sie über die künftigen Herausforderungen und Chancen für Nordrhein-Westfalen. Bericht und Fotogalerie

Auf der Veranstaltung "Arbeit 2020: Faire Arbeit im digitalen Wandel" diskutierten Vertreter der Landesregierung, Experten und Interessierte über die Herausforderungen der kommenden Jahre. Arbeitsminister Rainer Schmeltzer, Wissenschaftsministerin Svenja Schulze und Wirtschaftsminister Garrelt Duin eröffneten und begleiteten als Gastgebende den Kongress in Neuss, der im Rahmen der NRW-Allianz "Arbeit und Wirtschaft 4.0" stattfand.

Über 500 Teilnehmende aus Gewerkschaft, Unternehmen und Wissenschaft waren der Einladung der Landesregierung gefolgt. Die Veranstaltung war zugleich der Startschuss für einen groß angelegten Dialogprozess (siehe dazu das Online-Portal www.arbeitviernull.nrw).

NRW als Spitzenstandort der digitalen Arbeits- und Wirtschaftswelt (weiter)entwickeln

„NRW als digitalen Spitzenstandort etablieren – das geht nur dann, wenn die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer im Land mit der technologischen Entwicklung mithalten und sie mitgestalten können“, betonte Arbeitsminister Rainer Schmeltzer in seiner Eröffnungsrede. „Durch die Digitalisierung ändert sich gerade überall im Land die Art und Weise, wie wir arbeiten und produzieren. Und das bietet uns die historisch einmalige Chance, Arbeits- und Produktionsprozesse neu zu gestalten: gesünder, altersgerecht und effizienter sowie besser vereinbar mit dem Privatleben. Genau jetzt müssen alle daran mitarbeiten, die Grundsätze guter und fairer Arbeit auch in der digitalisierten und vernetzten Wirtschaft durchzusetzen. Es gilt: Humanisierung statt Rationalisierung. Digitalisierung soll Arbeitsbedingungen verbessern und nicht Arbeitsplätze vernichten“, so der Minister.

Wissenschaftsministerin Svenja Schulze machte deutlich, erkenntnisgeleitete und anwendungsbezogene Forschung spiele eine Schlüsselrolle für den Ausbau fortschrittlicher Technologien: „Digitalisierung ist natürlich ein großes Thema unserer gemeinsamen Strategie 'Fortschritt NRW', die sich den drängenden gesellschaftlichen Fragestellungen widmet. Fortschritt muss immer auch eine soziale Dimension haben. Deshalb ist der Erfahrungsaustausch mit denjenigen, die alltäglich mit neuen Technologien arbeiten und konfrontiert sind, einfach unerlässlich.“

Wirtschaftsminister Garrelt Duin sagte: „Wenn wir die Stärke unseres Wirtschaftslandes NRW erhalten und sogar ausbauen wollen, müssen wir die Unternehmen unseres Mittelstands auf breiter Front mitnehmen. Unser gemeinsames Bestreben muss sein, mit Industrie 4.0 zur Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen beizutragen. Umgang und Verstehen von digitaler Technik müssen zu elementaren Schlüsselkompetenzen werden. Für uns heißt das, gezielt in das Bildungs- und Ausbildungssystem zu investieren. So können wir mit qualifizierter Arbeit Wohlstand schaffen.“

Im Gespräch mit Vertretern der Allianz "Wirtschaft und Arbeit 4.0": Gemeinsames Gestaltungsprojekt - NRW als Vorreiter bei der Digitalisierung

Auf dem Podium diskutierten die Minister gemeinsam mit Vertretern der Allianz "Wirtschaft und Arbeit 4.0": Knut Giesler, Bezirksleiter der IG Metall NRW, Andreas Meyer-Lauber, Vorsitzender DGB NRW, und Luitwin Mallmann, Hauptgeschäftsführer unternehmer nrw, erläuterten aus ihrer Sicht wichtige Aspekte zur Gestaltung des digitalen Wandels.

Die Allianz, im Frühjahr 2016 von Landesregierung, Wirtschaft, Gewerkschaften und Wissenschaft gegründet, versteht sich als Impulsgeber für den digitalen Entwicklungs- und Innovationsprozess. Sie will auf Landesebene die vorhandenen Gestaltungsmöglichkeiten nutzen und dabei alle relevanten Akteure am Prozess beteiligen.
Nordrhein-Westfalen solle bundesweit eine Vorreiterrolle beim Thema „Digitalisierung“ einnehmen, darin waren sich die Diskutierenden auf dem Podium einig und verwiesen – bei aller Kontroverse in einzelnen Themenbereichen – auf die insgesamt gute Kooperation und erfolgreiche Sozialpartnerschaft in Nordrhein-Westfalen, die auch dazu beitragen werde, den digitalen Wandel in NRW fair und aktiv zu gestalten.

Projekt "Arbeit 2020" –  Betriebsräte für den digitalen Wandel handlungsfähig machen

Gabi Schilling, IG Metall NRW, erläuterte das ESF-geförderte Projekt "Arbeit 2020" und befragte beteiligte Betriebsräte und einen Unternehmensvertreter nach bisherigen Erfahrungen und Ergebnissen. Am Projekt beteiligen sich aktuell 20 Unternehmen und Betriebe aus NRW.
"Arbeit 2020" ist ein Projekt der IG Metall in Zusammenarbeit mit IG BCE, NGG und DGB. Im Rahmen von Industrie 4.0 sind Mitbestimmung und Mitgestaltung wichtige Eckpfeiler und Betriebsräte und Beschäftigte sind für diese Gestaltungsprozesse zu stärken. Zum Unterstützungsangebot im Rahmen des Projekts gehören u.a. eine betriebliche Bestandsaufnahme, die Erstellung einer sogenannten „Betriebslandkarte“ zu Veränderungsprozessen sowie daraus abgeleitet die Entwicklung von Szenarien für geeignetes Betriebsratshandeln.

Wissenschaftliche Impulsvorträge – Chancen nutzen oder warum die Revolution schon begonnen hat

„Arbeit 4.0 – der Wandel ist gestaltbar“, mit diesem Credo leitete Prof. Dr. Hartmut Hirsch-Kreinsen, Forschungsinstitut für gesellschaftliche Weiterentwicklung, TU Dortmund sowie Mitglied in verschiedenen innovationspolitischen Beratungsgremien, seinen Vortrag ein. Für eine Industrie 4.0 skizzierte er Gestaltungsspielräume und Schnittstellen und benannte Entwicklungstrends künftiger Industriearbeit und Arbeitsorganisation, die nicht nur andere und neue Kompetenzen und Qualifizierungen verlange, sondern auch dezentralere, weniger hierarchische – und vielleicht demokratischere? - Prozess- und Führungsstrukturen. Sein Fazit: „Nicht nur den digitalen, sondern auch den sozialen Wandel sozial gestalten – diese Chance gibt es!“

Einen Ausflug in die Welt der Informations- und Kommunikationstechnologie mit ihren technischen und sozialen Interaktionsmöglichkeiten unternahm Prof. Dr. Sabina Jeschke, Prodekanin der Fakultät für Maschinenwesen der RWTH Aachen mit dem Schwerpunkt komplexe IT-Systeme und Robotik. Am Beispiel von smart houses oder den selbstfahrenden, „intelligenten“ google-Autos machte sie deutlich, wie entwickelt und alltagstauglich die Technologien bereits sind und in unser Arbeits- und Privatleben hineinreichen. Das Phänomen 4.0, daran ließ sie keinen Zweifel „ist für mich ein dramatischer Durchbruch in der Intelligenz technischer Systeme“. Mit Blick auf die Arbeitswelt stellte sie fest: „Wir werden massive Veränderungen erleben. Aber ich bin ganz sicher, dass wir miteinander Räume für sinnvolle Beschäftigung finden werden.“ Nur sei zu beachten, auch Computer seien inzwischen kreativ und das sei die eigentliche Revolution.

Als Gastgeber luden die Minister abschließend die Teilnehmenden zu Fachforen ein. Hier konnten Fragen vertiefend diskutiert werden und Experten und Expertinnen berichteten aus der Praxis.

 

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