"10 Jahre Aktion 100" – Veranstaltung

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NRW-Arbeitsminister Rainer Schmeltzer am Rednerpult - Hintergrund Plakatwand und Firmenlogo Vahle

Eine hervorragende Bilanz – Junge Menschen mit Behinderung erfolgreich ausbilden

Veranstaltung und Betriebsbesuch mit NRW-Arbeitsminister Rainer Schmeltzer zum ESF-geförderten Programm "Aktion 100" in Kamen

Die Aktion "100 zusätzliche Ausbildungsplätze für Jugendliche und junge Erwachsene mit Behinderung in NRW" unterstützt junge Menschen mit Handicap in NRW. Anlässlich ihres zehnjährigen Bestehens fand am 25. August 2016 in der Paul Vahle GmbH & Co. KG in Kamen eine Veranstaltung statt. Die Firma bildet über die "Aktion 100" aus. Minister Rainer Schmeltzer dankte allen Akteuren für den engagierten Einsatz bei der Umsetzung des ESF-geförderten Programms.

Die Aktion "100 zusätzliche Ausbildungsplätze für Jugendliche und junge Erwachsene mit Behinderung in NRW" ist bundesweit einmalig, genauso wie ihr Erfolg. Ein Erfolg, der sich auch in Zahlen messen lässt: Seit Beginn der Aktion haben mit ihrer Unterstützung mehr als 1.100 junge Menschen mit Handicap doch noch einen Ausbildungsplatz gefunden.

Bestandene Prüfung

Um zu verdeutlichen, welche Philosophie die "Aktion 100" prägt, zitierte Minister Rainer Schmeltzer in Kamen keinen Geringeren als Goethe. "Toleranz", hatte der gesagt, "sollte eigentlich nur eine vorübergehende Gesinnung sein: Sie muss zur Anerkennung führen. Dulden heißt beleidigen."
Genau diese Anerkennung haben die mehr als tausend jungen Menschen mit Körperbehinderung, mit Sinnes- oder Kommunikationsbehinderung, mit psychischer Behinderung oder mit Mehrfachbehinderung über die "Aktion 100" gefunden. Dass sie trotz ihrer Behinderung durchaus fähig sind, im Arbeitsleben erfolgreich zu sein, beweist eine zweite zentrale Zahl der Aktion: 95 Prozent der Teilnehmenden, die sich einer Abschlussprüfung gestellt haben, haben sie auch bestanden. Das logische Fazit des Ministers: "Es lohnt sich für alle: für die Menschen, für die Unternehmen und für die Gesellschaft insgesamt."

Zugleich dankte Rainer Schmeltzer allen Akteuren, den Einrichtungen der beruflichen Rehabilitation sowie den beteiligten Betrieben für ihren engagierten Einsatz. Ohne sie könne eine so komplexe Aktion nicht gelingen. Eine Einschätzung, die er mit Torsten Withake teilte. Inklusion, sagte der Geschäftsführer Arbeitslosenversicherung der Regionaldirektion Nordrhein-Westfalen der Bundesagentur für Arbeit, kann nur als Gemeinschaftsaufgabe funktionieren. "Vor dem Hintergrund des steigenden Fachkräftebedarfs", führte er weiter aus, "stellen junge Menschen mit Handicap ein großes Potenzial auf dem Arbeitsmarkt dar. Für Unternehmen, die wettbewerbsfähig sein wollen, sind sie aufgrund ihrer sehr hohen Motivation unverzichtbar."

Beherztes Engagement

Ein Unternehmen, das schon lange zu der gleichen Erkenntnis gekommen ist und ganz praktische Konsequenzen gezogen hat, ist der Gastgeber der Veranstaltung, die Paul Vahle GmbH & Co. KG.
Die VAHLE-Gruppe, ein Familienunternehmen mit einhundertjähriger Tradition, ist als Spezialist für mobile Energie- und Datenübertragung in insgesamt 52 Ländern aktiv. Allein am Hauptsitz in Kamen finden 480 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, so Geschäftsführer Achim Dries, "technologische Antworten auf die Fragen der Zukunft im Industriezeitalter 4.0."
Für den Manager schließen sich wirtschaftlicher Erfolg und soziale Verantwortung nicht aus - "im Gegenteil!" Kein Lippenbekenntnis, wie die anschließenden Ausführungen von Bernd Hauptreif dokumentieren. Nach Angaben des Betriebsleiters und Schwerbehindertenbeauftragten der Firma ist die Ausbildungsquote des Unternehmens mit sieben Prozent überdurchschnittlich hoch. Hinzu kommt: Der Betrieb nutzt alle bestehenden Möglichkeiten, um auch behinderte Menschen zu integrieren. Das reicht von der Einstiegsqualifizierung über die Zusammenarbeit mit einer Förderschule bis hin zur Einrichtung einer Integrationsabteilung und einer engen Kooperation mit mehreren örtlichen Werkstätten für Menschen mit Behinderung.
Eingebettet in das vielfältige Engagement der Firma im Handlungsfeld "Inklusion" ist die "Aktion 100". Zwei junge Menschen mit Behinderung haben über sie in der Paul Vahle GmbH & Co. KG eine Ausbildung absolviert - und erfolgreich abgeschlossen. Die guten Erfahrungen haben das Unternehmen veranlasst, auch weiterhin an der Aktion teilzunehmen. Zurzeit bietet es vier weiteren jungen Menschen mit einer Behinderung so die Chance, einen Beruf zu erlernen. "Wir machen das nicht, weil wir müssen", sagte Geschäftsführer Achim Dries energisch, "sondern weil wir das wollen."

Beste im Bezirk

Das Engagement der Paul Vahle GmbH & Co. KG sowie der weiteren rund 1.000 beteiligten Unternehmen ist zentraler Erfolgsfaktor der Aktion. Das verdeutlichte Benedikt Willautzkat von der Gesellschaft für innovative Beschäftigungsförderung (G.I.B.). Ihr obliegt die fachliche Begleitung der Aktion im Auftrag des MAIS NRW.
Für den überwiegenden Teil der Teilnehmenden finden mehr als zwei Drittel der praktischen Ausbildung, so Benedikt Willautzkat, im jeweiligen Kooperationsbetrieb statt: "Das garantiert Praxisnähe und einen unmittelbaren Bezug zum realen Arbeitsleben am ersten Arbeitsmarkt." Der hohe Stellenwert des Lernorts Betrieb wirkt sich offensichtlich auf die eingangs erwähnte hohe Quote bestandener Abschlussprüfungen aus. Einige der Teilnehmenden haben die Prüfung sogar als Beste ihres Kammerbezirks bewältigt. Welche Relevanz die Kooperationsbetriebe im Rahmen der "Aktion 100" haben, unterstreicht eine weitere Zahl des G.I.B.-Monitorings: Mehr als die Hälfte, genau 58 Prozent, aller Teilnehmenden finden nach Ausbildungsabschluss eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung in ihrem Ausbildungsbetrieb.  
Und noch etwas stellte Benedikt Willautzkat klar: Die Vielzahl an Berufssparten - vom Gesundheitswesen und der Verwaltung über Lager und Logistik bis hin zu Hauswirtschaft und Maschinenbau - sowie das breite Spektrum an Behinderungen erfordern differenzierte, individuelle Unterstützungsangebote. Genau dafür stehen die Träger der Aktion mit ihrer Kompetenz und mit ihren Erfahrungen: die Berufsbildungs- und die Berufsförderungswerke. Stellvertretend für sie gab Elisabeth Pistol vom Berufsförderungswerk Dortmund einen Einblick in deren Tätigkeit. Sie wusste zudem zu berichten, dass Menschen mit Behinderung das Dienstleistungsangebot der Träger zu schätzen wissen: "Manche kommen noch Monate nach ihrer Abschlussprüfung zu uns und erzählen von ihrem weiteren beruflichen Werdegang."

Erfolg und Anerkennung

Zu Wort kamen in Kamen natürlich auch die Menschen, die im Zentrum der "Aktion 100" stehen: die jungen Menschen mit einem Handicap. Einer von ihnen, Christoph Gutinger, hat sich mit Unterstützung der Aktion zum Mediengestalter ausbilden lassen und die Prüfung mit Bravour bestanden. Er empfand vor allem den Förder- und Stützunterricht im Berufsförderungswerk als hilfreich sowie die Möglichkeit, "dort in kleinen Gruppen zu arbeiten". Auch seine aktuelle Gefühlslage verschwieg er nicht: "Ich bin jetzt stolz", sagte er selbstbewusst, "ein Mediengestalter zu sein!"
Durchweg positiv auch die Erfahrungen von Jan Merkel mit der Aktion. Auch er hat die Abschlussprüfung bestanden und arbeitet heute in seiner Ausbildungsfirma als Fachinformatiker für Systemintegration und ist damit nach eigenen Worten "zuständig für mehr als 400 PCs". Seine berufliche Laufbahn zeigt, dass er die Anerkennung, die Minister Rainer Schmeltzer mit seinem Eingangszitat gefordert hatte, in der Paul Vahle GmbH & Co. KG gefunden hat.
Ähnlichen Erfolg wie die beiden ehemaligen Teilnehmenden erhoffen sich die sechs jungen Menschen, die sich in Kamen als Teilnehmende der laufenden Aktion präsentierten. Für wie wertvoll sie die "Aktion 100" halten, brachte eine von ihnen - Susan Streine - auf den Punkt: "Zu sagen, sie ist Gold wert, wäre fast untertrieben." Sie alle wünschten sich eine Fortsetzung der Aktion. Minister Rainer Schmeltzer ließ keinen Zweifel, dass er ihrem Wunsch nachkommen wird.

 

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